Sonntag, 18. November 2007

FR, 17.11.2007


FR-Campus berichtet aus der Frankfurter Hochschulszene:
Bibliothek bleibt in Frankfurt
Universität findet Lösung für die Orientalistik
Der Erhalt der Orientalistik-Bibliothek an der Johann Wolfgang Goethe-Universität ist vorerst gesichert. Das Präsidium habe zugesichert, dass die aus 40 000 Bänden bestehende Einrichtung bis mindestens 2010 in Frankfurt bleibt, teilte der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) am Freitag mit. Universitätssprecher Olaf Kaltenborn bestätigte diese Darstellung weitgehend. Er fügte jedoch an: Sollten bestimmte Teile des Bestandes kaum nachgefragt werden, sei es nicht ausgeschlossen, dass die Universität diese Bücher schon vor 2010 ans neue Orientalistikzentrum in Marburg geben wird. Ursprünglich sollte die Orientalistik-Bibliothek von November an Stück für Stück an das Marburger Zentrum verlagert werden. Dagegen hatten sich vor allem Studierende der Orientwissenschaften gewehrt. Ihnen war vom Wissenschaftsministerium zugesichert worden, dass sie bis 2010 in Frankfurt studieren können. Dann gibt die Uni die Orientwissenschaften auf und verweist ihre Studierenden auf die Marburger Einrichtung, die im Rahmen der Zentrenbildung kleiner Fächer entsteht.
Zuletzt war der Umzug sogar zum Politikum geworden. Die Linkspartei im Römer hatte sich in einem Antrag für den Erhalt der Bibliothek an der Frankfurter Universität ausgesprochen.
Georg Leppert

Erst ignorieren Sie Dich,
dann verlachen Sie Dich,
dann bekämpfen Sie Dich
und dann gewinnst Du.
***Mahatma Gandhi***

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Olaf Kaltenborn wird zitiert: "Sollten bestimmte Teile des Bestandes kaum nachgefragt werden, sei es nicht ausgeschlossen, dass die Universität diese Bücher schon vor 2010 ans neue Orientalistikzentrum in Marburg geben wird."

Wer will denn die Nachfrage bewerten? Und nach welchen Kriterien? Da darf man ja gespannt sein... die Erfahrung zeigt, dass die Personen, die an den längsten Hebeln sitzen, sich vor allem durch mangelnde Sachkenntnis hervortun. Diesen Mangel haben sie bislang auch nicht durch Nachfrage bei entsprechenden Sachkundigen wettzumachen versucht -- was für ein Beispiel sind diese (nebenbei übrigens immer noch) Lehrenden eigentlich für ihre eigenen Studierenden?

Man muss ja von einem Vizepräsidenten nicht zwingend erwarten, dass er spontan den Unterschied kennt zwischen Altorientalistik und Islamkunde. Macht nix, ich kenne mich ja auch nicht in den Teildisziplinen der Rechtswissenschaften aus. Aber als Akademiker kann man ja durchaus auch mal nachfragen, bevor man wissenschaftlich nicht zu begründende Entscheidungen fällt!

Anonym hat gesagt…

Im Allgemeinen kann man sagen, dass Arabisch geschriebene Bücher fast von keinem gelesen werden. Die stehen da und verschimmeln leise vor sich hin.

Anonym hat gesagt…

nach wie vor sehe ich keinen ablauf, der be- oder widerlegen würde, ob und mit welcher frequenz irgendwelche bücher in dieser bibliothek genutzt werden -- wer also davon spricht, dass arabisch-sprachige und andere bücher dort leise vor sich hinschimmeln, saugt sich das aus den fingern!

Jan K. hat gesagt…

Nun ja, in Bibliotheken gibt es nun auch einmal Bücher, die 50 Jahre "schimmeln", während andere täglich Auslauf bekommen. Das ist in jeder Bibliothek so, auch bei Juristen und WiWilern.
Und in Marburg ginge es den Büchern nicht anders. Wegen der dortigen Schwerpunktsetzungen würden wahrscheinlich dort sogar die Bücher schimmeln, die hier jeden Tag ins Freigehege dürfen.

Anonym hat gesagt…

Erstens besteht die Bibliothek nicht ausschließlich aus arabischsprachigen Büchern und zweitens werden schon in den Seminaren die Texte aus den arabischen Büchern übersetzt. Also ist "verschimmeln" wohl wirklich unangebracht.

Charlotte hat gesagt…

Unfassbar, wie da mit den Studenten umgegangen wird. Letztlich ist es doch auch egal, seit wieviel Jahren ein Buch in der Ecke schimmelt, wenn jetzt jemand genau dieses Buch z.B. für eine Abschlußarbeit braucht, braucht er es eben. Und es gehört ja wohl zu den Grundvorraussetzungen um ein Studium abzuschließen, dass man Zugang zu Büchern hat.
Man hat doch den Studenten zugesichert, dass sie ihr Studium noch in Frankfurt zu Ende bringen dürfen, also sollte man ihnen auch die Werkzege dazu lassen.

Viele Grüße aus München, Charlotte

Anonym hat gesagt…

hey, wer wirklich einmal bücher leise vor sich hinschimmeln sehen will, sollte mal nachfragen, was mit den beständen der marburger slawistik-bibliothek in gießen passiert -- hierzu verweise ich auf einen artikel in der FAZ: http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc~E3823609B0A5C47C886C7D4D3E88E6C24~ATpl~Ecommon~Scontent.html
HIER wird schimmel wirklichkeit!

Anonym hat gesagt…

Die Frankfurter Bibliothek wird nach diesem Radau noch viel Zeit und Geld kosten. Die Uni wird jetzt Geld investieren müssen (lagern, digitalisieren?) in etwas, das es nach zwei, drei Jahren doch nicht mehr haben will.
Wird sie das Geld wirklich investieren? Oder war es nur so dahin gesagt, als Beruhigungspille? Man kennt doch das Präsidialamt.
Dass drei, vier Forscher irgendwann mal aus Pampa-Nord nach Frankfurt reisen müssen um ein dort verschimmelndes Buch zu sehen, wem juckt das? Deutschland hat ja eine grandiose Tradition von Forschungsbibliotheken, die nicht dort sind, wo die Forschung ist. Die Deutsche Bahn verdient daran, und so schnappen die Forscher auch mal frische Luft.

Anonym hat gesagt…

"Die Frankfurter Bibliothek wird nach diesem Radau noch viel Zeit und Geld kosten. Die Uni wird jetzt Geld investieren müssen (lagern, digitalisieren?)"
--> Ins lagern wird sie nichts investieren müssen, die Bibliothek ist ja dort, wo sie sein soll und bis mindestens 2010 sein sollte!
Vielleicht wird vor 2010 noch das Gebäude in der Dantestraße geschlossen, aber dann müssten die Bücher eben auch erst einmal mitumziehen.

A propos Geld: Die Uni hat ja unsere (Orientalisten) Studiengebühren. Abgesehen von dem Anteil, der den Fachbereichen direkt zusteht und bei uns in zwei zusätzliche Lehrveranstaltungen fließt, haben wir gar keine Verbesserungen erfahren, im Gegensatz zum Rest Bockenheims (Beamer, Renovierungen, etc.) - da ist also sicher noch einiges übrig, womit man z.B. Digitalisier-Personal bezahlen könnte (auch wenn das wiederum nicht wirklich UNS zugute käme).

"in etwas, das es nach zwei, drei Jahren doch nicht mehr haben will."
-->Was die Uni will oder nicht, wird nicht mehr nur durch das Präsidium entschieden. Die betroffenen Fachbereiche werden sich schon für den Erhalt der für sie wichtigen Teile einsetzen.

"Dass drei, vier Forscher irgendwann mal aus Pampa-Nord nach Frankfurt reisen müssen"
-->Erstmal haben sie einen Teil der Bücher selbst; dazu einen ganzen Haufen Geld, um sich neue anzuschaffen; andere werden sie nie interessieren; und für ein paar Exemplare wird man immer so oder so reisen müssen, weil es nur wenige überhaupt gibt.

Anonym hat gesagt…

"Die betroffenen Fachbereiche werden sich schon für den Erhalt der für sie wichtigen Teile einsetzen."

Gerade das bezweifle ich. Denn wie oft kommen nun wirklich Sprachwissenschaftler oder Religionswissenschaftler vorbei? Mit Ausnahme einer Religionswissenschaftlerin werden die in der Bibliothek doch höchstens einmal im Jahr gesichtet.

Die Fachbereiche würden sich mit realen Kosten konfrontiert sehen. Drei Jahresgehälter eines Digitalisierers (ein HiWi kann das nicht); auch die Aufstellung in einem Gebäude kostet viel Geld. Sie würden sich zurückziehen und/oder einfach ein bisschen plündern: die M-Signaturen für die Religionswissenschaft, die O-SIgnaturen für die Sprachwissenschaft.
Der Rest der Bücher wird nach 2010 wohl in den Kartons bleiben. Marburg hat dann schon längst eine neue Bibliothek erworben. Die typische Lösung eines armen reichen Landes.

Anonym hat gesagt…

"Denn wie oft kommen nun wirklich Sprachwissenschaftler oder Religionswissenschaftler vorbei? Mit Ausnahme einer Religionswissenschaftlerin werden die in der Bibliothek doch höchstens einmal im Jahr gesichtet."

-- Sprachwissenschaftler (Emp. Sprachwissenschaften) aus dem 3. und 5. Semester sind fast jeden Tag dort anzutreffen. Religionswissenschaftler kommen ebenfalls sehr häufig zu Recherchen für Referate und Hausarbeiten.
Wobei es beim Interesse der Fachbereiche an der Bibliothek doch nicht nur um die Frequenz der Nutzung ihrer eigenen Studenten geht.

Und die Kosten für die Digitalisierung, wie gesagt, da hat die Uni unsere Studiengebühren. Erstmal den Anteil, der über die Uni läuft. Zweitens den Teil, der in die Fachbereiche geht und bei uns in diesem Semester in zwei zusätzliche Lehrveranstaltungen geflossen ist. Die könnte man in Zukunft streichen (zumindest eine), denn diese Lehrveranstaltungen waren nicht zwingendst erforderlich.

Außerdem: Marburg hat ja bereits eine Digitalisier-Stelle geschaffen (und das doch sehr wahrscheinlich auf Basis der Zuschüsse vom Ministerium). Ob diese Person dann ihre Arbeit auf dem Acker macht oder in der großen Stadt, sollte keine Rolle spielen.