Posts mit dem Label Frankfurter Rundschau werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Frankfurter Rundschau werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 21. Februar 2008

FR, 21.02.2008

Georg Leppert heute in der FR über die Goethe-Uni:

Universität nach der Wahl
Auf der Reise

Vermutlich hat Rudolf Steinberg am Abend der Landtagswahl über die Zukunft der Goethe-Universität nachgedacht. Das tut er häufig, immerhin ist er Präsident der größten hessischen Hochschule. Doch am Wahlabend hatte der Jurist besondere Gründe, über die Entwicklung der Uni zu sinnieren. Denn als alle Stimmen ausgezählt waren, zeigten die Grafiken der Fernsehsender eine linke Mehrheit an, die man auch als Mehrheit gegen die Frankfurter Stiftungsuniversität interpretieren könnte. SPD und Grüne hatten in der Abstimmung im Landtag vor einigen Monaten gegen das Modell einer weitgehend autonomen Frankfurter Hochschule votiert (obgleich sie im Prinzip dafür waren, sich aber an Einzelheiten des Gesetzes störten), und die Linkspartei ist ohnehin gegen jede Form von Entstaatlichung. Ist die neue Freiheit an der Uni also alsbald wieder Geschichte?

Unsinn, meint Steinberg zu derartigen Spekulationen. Die Regierungsbildung verfolge er "ganz entspannt", sagt der Uni-Präsident, der sich am Dienstagabend von FAZ-Herausgeber Werner D'Inka im Frankfurter Presse-Club interviewen lässt. "Keine Regierung kann auf Exzellenz verzichten", sagt Steinberg. Und mit Exzellenz kennt sich der Jurist ohne Frage aus. Kaum eine Rede, in der er nicht betont, dass die Goethe-Universität den "Wettbewerb um die besten Köpfe" gewinnen will. Langfristig könne sich die Uni gar unter den 50 besten Hochschulen der Welt etablieren, hatte Steinberg im vergangenen Jahr einmal gesagt und damit mächtig für Aufsehen gesorgt. Ob diese Ankündigung nicht etwas vermessen und die Gesellschaft überhaupt schon bereit sei für weitgehend autonome Hochschulen, wollen Besucher im Presse-Club wissen. Da bemüht Steinberg ein chinesisches Sprichwort: "Auch eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit einem ersten Schritt." Was Steinberg im Gespräch mit D'Inka und den Besuchern sagt, ist interessant: Dass die Universität eine Art wissenschaftlichen Tarifvertrag abschließen und ein Job-Ticket anbieten will, dass er sich einen Ausbau der Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt wünscht, dass er eine Kooperation mit der University of Malaysia anstrebt und die Regelungen über Studiengebühren sozialverträglicher werden sollten.

Orientalistik wird aufgegeben
Spannend ist auch, was Steinberg nicht sagt. Einen Besucher, der behauptet, die Uni gebe ihre Ostasienwissenschaften auf, weist er zurecht: Gerade diese Fächer würden an der Goethe-Uni ausgebaut, das sei mit dem Wissenschaftsministerium so vereinbart worden. Was Steinberg nicht erwähnt: Die gleiche Vereinbarung regelt, dass die Goethe-Universität unter anderem ihre Orientalistik aufgibt. Am Dienstagvormittag, wenige Stunden vor Steinbergs Auftritt im Presse-Club, wurden die Bücher aus der Bibliothek abgeholt und an die Marburger Uni verfrachtet. Die Studierenden, die bis zur endgültigen Aufgabe der Orientalistik in zwei Jahren noch an der Frankfurter Uni eingeschrieben sind, verweist das Wissenschaftsministerium auf die Möglichkeit der Fernleihe.
Georg Leppert


Lepperts Kommentar zu der ganzen Chose:

Kommentar
Neue Fragen

Vermutlich hat sich jeder, dem die Zukunft der Goethe-Uni wichtig ist, am Wahlabend diese Fragen gestellt: Wird nun alles wieder anders? Ist das Streben nach Elite vorbei? Verliert die Uni ihre Freiheiten? Ihre Berechtigung hatten diese Überlegungen durchaus, denn die Reformprojekte von Uni-Präsident Rudolf Steinberg wären ohne eine satte CDU-Mehrheit im Landtag in dieser Form nicht umsetzbar gewesen.Dennoch wird die Frankfurter Hochschule eine Stiftungsuniversität bleiben und von Wiesbaden ein Höchstmaß an Förderung erhalten. Mit Recht weist Steinberg darauf hin, dass jede Landesregierung auf eine starke Goethe-Uni angewiesen ist. Auch die SPD könnte es sich als Regierungspartei nicht erlauben, die größte hessische Uni im Mittelfeld der Rankings herumdümpeln zu lassen.

Trotzdem wird ein Wissenschaftsminister, der nicht der CDU angehört, so manches an der Goethe-Uni hinterfragen. Etwa die bisweilen allzu kompromisslose Art ihres Präsidenten. SPD und Grüne haben Steinberg deutlich zu verstehen gegeben, was sie von Plänen wie der Ausgrenzung der Bewerber mit Fachhochschulreife halten. Mit derartiger Kritik dürfte sich Steinberg demnächst noch öfter beschäftigen müssen.
Georg Leppert

Dienstag, 19. Februar 2008

Pressespiegel vom 19.02.2008 (Teil I)

FR, 19.02.2008
Mahnwachen für Bücher
Frankfurter Studenten nehmen Abschied von der Orientalistik-Bibliothek

Es wird ein schwerer Abschied - aber einer mit Stil. Mit Mahnwachen und Demonstrationen wollen Frankfurter Studenten am heutigen Dienstag den Umzug der Orientalistik-Bibliothek nach Marburg begleiten.Wie Anja Engelhorn, Asta-Vorsitzende der Goethe-Universität, berichtete, sollen von heute früh an rund 40 000 Bände aus der Einrichtung an der Dantestraße abgeholt werden. "Vor dem Gebäude stehen schon die Halteverbotsschilder, um 8 Uhr morgens soll es los gehen", sagte Engelhorn am Montag. In der heute beginnenden ersten Phase des Umzugs werden die Bücher mit den Signaturen K, L, R und S nach Marburg gebracht. "Das sind die Bände, die für die Studierenden am wichtigsten sind", sagte die Asta-Vorsitzende. Sie ruft ihre Kommilitonen dazu auf, heute um 8 Uhr zur Dantestraße 4-6 zu kommen, um ein letztes Mal gegen die Verlagerung der Bücher zu demonstrieren.
In den vergangenen Monaten war der Umzug der Bibliothek zum Politikum geworden. Hintergrund des Streits ist eine Vereinbarung über Fächerzentren, die die Unis Marburg und Frankfurt vor drei Jahren mit Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) getroffen hatten. Darin ist geregelt, dass die Goethe-Uni ihren Orientalistik-Studiengang aufgibt und die Bibliothek ans neue Orientzentrum nach Marburg umzieht. Dafür entsteht an der Goethe-Uni ein Zentrum für Ostasienwissenschaften.Knackpunkt ist eine Zusage von Corts, dass die Orientalistik in Frankfurt erst 2010 aufgelöst wird. Bis dahin sollten die Studenten ihr Studium beenden können, ohne die Uni wechseln zu müssen. "Ohne Bücher ist das aber nicht möglich", beklagt der Asta. Das Wissenschaftsministerium verweist hingegen auf die Möglichkeiten der Fernleihe. Aller Protest - unter anderem hatte die Linkspartei im Römer den Verbleib der Bücher gefordert - half nichts. Zuletzt wollten die Studenten den Umzug juristisch verhindern. Ihr Eilantrag wurde vom Verwaltungsgericht jedoch abgelehnt.
Georg Leppert


Und hier der Link zum Beitrag von deutschlandradio vom 19.02.2008:
***
Orientalisten verlieren heute ihre Bücher
Frankfurt. Der Umzug der Orient-Bibliothek von Frankfurt nach Marburg beginnt heute. Das bestätigte Prof. Ingwer Ebsen, Vizepräsident der Goethe-Universität. „Es handelt sich um die erste Tranche von Büchern“, sagte er. Die rund 40 000 Bände der Orientalistik-Bibliothek sollen Teil des neuen Marburger Centrums für Nah- und Mittelost-Studien werden (wir haben berichtet). Dort konzentriert das Land die Ausbildung der Orientalisten. Bis 2010 sollen die letzten Frankfurter Studenten hier ihren Abschluss gemacht haben. Der Umzug hatte bereits im November erfolgen sollen, wurde aber bis Semester-Ende verschoben. Inzwischen seien die Bestände digital katalogisiert und mit Marburg schnelle und kostenlose Möglichkeiten der Fernleihe vereinbart, sagte Ebsen. In Marburg werden die Bücher binnen weniger Tage zugänglich sein. Zuletzt hatten Studierende versucht, den Bibliotheks-Umzug mit einem Eilantrag ans Verwaltungsgericht zu verhindern, erfolglos. Studenten haben angekündigt, heute ab acht Uhr beim Institut für den Erhalt der Bibliothek zu demonstrieren.
(tjs)

Mittwoch, 16. Januar 2008

Leserbriefe

Die hier gezeigten Leserbriefe beziehen sich auf den FR-Artikel vom 12.01.2008, beide wurden allerdings bislang in der FR nicht veröffentlicht.

Nr. 1: Das Verhalten von Herrn Corts gegenüber Studierenden provoziert die Frage, wie jemand mit seinen Einstellungen überhaupt Bildungsminister werden konnte. Ob es sich um Studiengebühren oder Zentrenbildung dreht, er nimmt den Ausschluss von Studierenden sowie mangelhafte Studienbedingungen in Kauf und unterstreicht dies mit Aussagen wie „Es gibt andere hervorragende Lebenswege ohne Studienabschluss“ (FR 23.11.2003) oder „Die Studenten haben nie etwas von Fernleihe gehört.“ (FR 12.01.2008)

Wenn Herr Corts je selbst studiert hat, sollte er wissen, wie wichtig Präsenzbibliotheken für das wissenschaftliche Arbeiten sind und dass kein Studium einzig durch Fernleihe praktikabel ist, besonders nicht bei dem zeitlichen Druck, den sein Ministerium uns nach Studienbeginn auferlegt hat – Abschluss des gesamten Studiums in der Regelstudienzeit von acht Semestern! Ganz davon abgesehen, dass wir unsere eigene Frankfurter Bibliothek aufgrund des Katalogisierungsprozesses in Marburg bis zum geplanten Studienende 2009/10 wohl kaum wiedersehen werden und uns diese Bücher also weder in Marburg selbst noch durch Fernleihe zur Verfügung stehen.

Es ist eine Schande, dass die verantwortlichen Minister nicht mit den Betroffenen verhandeln können, diese und ihre Proteste immer vor Eliten ins Lächerliche ziehen oder beispielsweise der Öffentlichkeit die „positive Wirkung“ von Studiengebühren an hinlänglich als finanziell gut ausgestatteten Fachbereichen wie Biochemie oder Rechtswissenschaft zu demonstrieren versuchen. Eine solche Arroganz gegenüber lernwilligen jungen Menschen darf in der heutigen Debatte um Bedeutung von Bildung und Wissenschaft nicht hinnehmbar sein!

Fakt ist, dass der Abzug der Orient-Bibliothek mitsamt aller Nebenwirkungen eine gravierende Verschlechterung unserer Studienbedingungen – die durch die Gebühren doch verbessert werden sollten – darstellt und einige Dutzende Orientalistik-Studierende an den Rand des Studienabbruchs treibt.

Herr Corts hat sein Versprechen nicht gehalten, dass wir in Frankfurt unser Studium ordnungsgemäß abschließen dürfen. Er hätte etwas weniger Schläge einstecken können, wenn er sich statt nur um die Zentren auch einmal Gedanken um die Studierenden gemacht hätte, die davon betroffen sind. Wenn man schon Reformen einführt, muss man auch für Übergangsregelungen sorgen. Diese jahrelang undurchdachte Bildungspolitik jedoch ist ein Armutszeugnis für die hessische Regierung!

(Nr. 2 ist nun doch noch veröffentlicht worden, und zwar hier!)

Nr. 2: Vorneweg erst einmal ein lautes, entschiedenes BUUUH! in Richtung des Bildungsministers Corts. Mehr kann einem dazu nicht mehr einfallen, zumal nicht als betroffene Orientalistin. Nach endlosem „Ihr könnt doch einmal die Woche nach Marburg fahren!“ jetzt also ein freches „Wohl noch nie was von Fernleihe gehört?“

Sehr geehrter Herr Minister, die Frage gebe ich gerne zurück: Haben Sie schon einmal versucht, ein Buch über Fernleihe zu bekommen? Ich habe das Procedere schon vielfach (bisweilen auch erfolgreich) erprobt und kann Ihnen aus dieser Erfahrung berichten: Das Buch kommt NIE IM LEBEN in weniger als vier Wochen in seiner Zielbibliothek an. Das heißt: dieser Vorgang ist eine Möglichkeit, wenn man mal ein Buch braucht, das vor Ort nicht zur Verfügung steht. Aber es ist alles andere als praktikabel, STÄNDIG und ALLLE Bücher über Fernleihe zu bestellen. Außerdem: Wissen Sie eigentlich, dass das pro Ausleihe und Buch mindestens 1,50€ (eineurofuffzich!) kostet? Für eine Seminararbeit braucht man gut und gerne zehn Bücher. Darf ich den Betrag pauschal von meinen Studiengebühren abziehen? Ich will Sie gar nicht weiter langweilen mit meinem detailierten Wissen zum Thema, etwa wenn es um die Tücken der Ausleihe arabisch sprachiger Titel geht. Oder um Zeitschriften, wenn beispielsweise schon wieder die falsche Ausgabe geschickt wurde.

Von Vertrauen in hessische Politik kann die Rede nicht mehr sein. Von Enttäuschung in Bezug auf Bundesministerien Schavan ebensowenig. Nur so viel: CDU – und die alte Geschichte von den Krähen und den Augen und so weiter. Tolle PodiumsDISKUSSION!

Ich bin schon jetzt gespannt auf das große Heulen in ein paar Jahren: Meine Kommilitonen und ich werden garantiert nicht mehr hier sein – und dann fehlen sie in Deutschland plötzlich, die Geisteswissenschaftler. Bis dahin!

Die Verfasser beider Leserbriefe sind der Herausgeberin dieses Blogs bekannt.

Samstag, 12. Januar 2008

FR, 12.01.2008

Ich möchte hier, an dieser Stelle, ein lautes und entschiedenes BUUUUH! rufen. Mehr fällt mir zur unglaublichen Arroganz eines Herrn Corts nicht mehr ein. Ich denke, Ihr pflichtet mir bei, wenn Ihr folgenden Artikel aus der heutigen FR lest:

Corts zieht Bilanz
Wissenschaftsminister an der School of Finance
Es muss ein besonderes Gefühl sein für Udo Corts, so kurz vor seinem Abschied aus der Politik. Da spricht der Wissenschaftsminister vor 200 Studenten, und alle sind nett zu ihm. Niemand schimpft, als der CDU-Politiker über die Frankfurter Orientalistik-Studenten, die demnächst keine Bibliothek mehr haben, sagt, manch einer habe "noch nichts von Fernleihe gehört". Und schon gar keiner pfeift, als Corts von Studiengebühren spricht, die gut seien, weil: "Jeder soll einen Beitrag zu seiner Ausbildung leisten." Vermutlich kommt Corts bei seinen Zuhörern so gut an, weil er vor den Studenten der privaten Frankfurt School of Finance & Management spricht, die über eine bestens ausgestattete Bibliothek verfügen und seit Jahr und Tag Studiengebühren zahlen. "Standortfaktor Wissenschaft" heißt die Veranstaltung, zu der die Hochschule im Ostend außer Corts auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) eingeladen hat. Gemeinsam mit den Studenten und Udo Steffens, dem Präsidenten der Frankfurt School, diskutieren die Politiker über die ganze Palette der Hochschulpolitik: Bologna-Prozess, Autonomie der Unis, Zentrenbildung in kleinen Fächern, Exzellenzinitiative…
Eine "konsequente Internationalisierung" des Studiums sei nötig, um Deutschland für den Bildungs- und Forschungswettbewerb fit zu machen, sagt Schavan. Deshalb sei sie eine Anhängerin der international üblichen Abschlüsse Bachelor und Master. Dass unter dieser Entwicklung kleine geisteswissenschaftlichen Fächer leiden könnte, glaubt die Ministerin nicht. Damit das auch in Hessen so bleibt, seien die oft kritisierten Fächerzentren in Frankfurt, Marburg und Gießen nötig gewesen, sagt Corts. Er habe oft "Prügel bezogen", aber doch die richtigen Entscheidungen getroffen. Die Hochschulen hätten mit ihrer Aufholjagd begonnen, bis 2015 könnten sie an die Spitze der deutschen Bildungslandschaft vorstoßen.Udo Steffens musste mit seiner Hochschule nicht erst aufholen. Die Frankfurt School gilt seit ihrer Gründung 1990 als Kaderschmiede der Wirtschaft. Und ausgerechnet er, der Leiter einer privaten Hochschule, findet auf dem Podium auch kritische Worte: Ein Politikstudent der FU Berlin habe in der "taz" einen Beitrag veröffentlicht, in dem er die Gefahr einer vollständigen Ökonomisierung der Wissenschaft beschrieb und erklärte, dass "fundierte, reflektierte und unabhängige Antworten auf unabhängige Fragen" demnächst ausbleiben könnten. Der Student, so Steffens, habe "nicht ganz Unrecht".
Georg Leppert

Mittwoch, 9. Januar 2008

FR, 09.01.2008, und PM Sarah Sorge, 07.01.2008

Unterstützung von den Grünen, wie heute in der Frankfurter Rundschau zu lesen ist:

Grüne kämpfen für Orientalistik
Bibliothek soll vorerst nicht nach Marburg
Die Landtagsfraktion der Grünen hat sich am Dienstag in die Debatte über den Umzug der Bibliothek des orientalistischen Seminars der Frankfurter Goethe-Universität nach Marburg eingeschaltet. Die Landtagsabgeordnete Sarah Sorge forderte das Präsidium der Hochschule und Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) auf, ihr Versprechen zu halten und die Bücher des Seminars bis 2010 in der Stadt zu belassen. Im Dezember war bekannt geworden, dass beide Universitäten und das Ministerium vereinbart haben, den Umzug doch schon in diesem Frühjahr durchzuführen.
"Corts hat den Studierenden versprochen, ihr Studium bis 2010 an ihrer Uni fortsetzen zu können und nicht nach Marburg wechseln zu müssen", sagte Sorge. Dazu gehöre eine gut ausgestattete und gut erreichbare Bibliothek. Die vorzeitige Verlegung erschwere das Studium maßgeblich. Das Wissenschaftsministerium hatte angesichts dieser Kritik auf das Semesterticket verwiesen, das Fahrten nach Marburg ermögliche. Zudem sei sichergestellt, dass für Orientalistik-Veranstaltungen in Frankfurt die nötige Literatur bereit stehe. big

Außerdem die Pressemitteilung von Sarah Sorge:

Sarah Sorge: Versprechen halten und Bücher der Orientalistik bis 2010 in Frankfurt zugänglich lassen
"Ich fordere das Präsidium der Frankfurter Universität auf, ihr Versprechen zu halten und die Bücher des orientalistischen Seminars bis 2010 in Frankfurt zugänglich zu lassen", so die Frankfurter Landtagsabgeordnete von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und wissenschaftspolitische Sprecherin der GRÜNEN Landtagsfraktion, Sarah Sorge.
"Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) hatte den Frankfurter Orientalistikstudierenden versprochen, dass sie das Studium bis 2010 an ihrer Uni fortsetzen können und nicht an die Uni Marburg wechseln müssen. Dazu gehört aber auch eine gut ausgestattete und gut erreichbare Bibliothek. Die vorzeitige Verlegung der Bibliothek – von der es zwischenzeitlich von Seiten der Unileitung hieß, sie käme doch nicht – erschwert das Studium maßgeblich und ist ein Vertrauensbruch des Wissenschaftsministers und der Unileitung gegenüber den Studierenden", so Sarah Sorge.
An der Universität Marburg wird derzeit das Zentrum für Nah- und Mittelost-Studien aufgebaut und im Zuge dessen die Orientalistik an der Universität Frankfurt geschlossen. "Gerade weil diese Umstrukturierung viele Ängste ausgelöst hat, ist es umso dringlicher, dass sich alle Beteiligten an gemachte Versprechen halten".

Freitag, 21. Dezember 2007

FR, 21.12.2007

Radau im Römer, aus der FR vom 21.12.2007:

Plädoyer für Bücher
Linkspartei will Orientalistik-Bibliothek retten
Die Linkspartei spricht von einem "schweren Rückschlag für den Universitätsstandort Frankfurt", der Landesausländerbeirat vermutet sogar "Bücherklau": Die Reaktionen auf den geplanten Umzug der Orientalistik-Bibliothek von Frankfurt nach Marburg sind heftig ausgefallen.Wie dieser Tage bekannt wurde, wird ein Großteil der 45 000 Bücher in der Bibliothek bereits bis Mitte Februar ans neue Marburger Zentrum für Nah- und Mittelost-Studien verschickt. Der Rest soll im Sommersemester folgen. Bislang waren die Frankfurter Studierenden davon ausgegangen, dass die Bibliothek bis 2010 an der Goethe-Uni bleibt. Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) hatte zugesichert, dass Orientalistik bis zu diesem Jahr in Frankfurt angeboten wird.
Corts setze nun "seine unverantwortliche Kahlschlagpolitik in der Bildung fort", beklagt die Fraktion der Linken im Römer. Kurz vor der Landtagswahl sollten an der Goethe-Universität "im Hauruckverfahren noch vollendete Tatsachen geschaffen werden". Der Frankfurter Uni-Präsident Rudolf Steinberg, sein Marburger Kollege Volker Nienhaus und der Wissenschaftsminister müssten die Frage beantworten, wie die Studierenden ohne Bücher ihr Studium beenden sollen, sagt die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Astrid Fischer: "Die Frankfurter Universität muss jetzt umgehend den betroffenen Studenten die gezahlten Studiengebühren zurückerstatten."Bereits vor einem Monat hatte die Linkspartei in einem Antrag gefordert, die Orientalistik-Bibliothek vorerst nicht zu verlagern. Die Vorlage wurde von der Mehrheit im Römer jedoch abgelehnt, da der Asta der Uni zwischenzeitlich verkündet hatte, die Bücher blieben bis 2010 in Frankfurt."Den Studenten werden quasi die Bücher geklaut", sagte der Vorsitzende des Landesausländerbeirats, Yilmaz Memisoglu. Nicht nur die Orientalistik-Studierenden, sondern auch ihre Kommilitonen mit dem Schwerpunkt Islamische Religion seien auf die Bibliothek angewiesen. Die Bände müssten daher in Frankfurt bleiben.
Georg Leppert

Mittwoch, 19. Dezember 2007

FR, Leitartikel 19.12.2007

Georg Lepperts Leitartikel zum gleichen Thema, ebenfalls in der FR:

Leitartikel
Eine Frage des Vertrauens


Am Ende halfen keine Unterschriftensammlung und kein öffentlich vorgetragener Protest: Die Orientalistik-Bibliothek der Goethe-Universität zieht nach Marburg - schon im Februar steht ein Großteil der Bücher nicht mehr im Seminar an der Dantestraße. So sieht es der Vertrag zwischen den beiden Hochschulen und dem Wissenschaftsministerium vor. Für die Studierenden ist das ganz bitter. Ihre Wut - die sich auch gegen das Präsidium der Frankfurter Universität richtet - ist verständlich. Denn unter dem Strich verschlechtern sich die Studienbedingungen für die angehenden Orientwissenschaftler immens. Bedauernswerte Einzelfälle, könnte man sagen. So ist es eben, das Schicksal derjenigen, die unbedingt meinen, ein Orchideenfach studieren zu müssen. Doch beim Bücherstreit zwischen Frankfurt und Marburg geht es um mehr als ein paar zu Recht verärgerte Studenten. Es geht um die Glaubwürdigkeit der Hochschulpolitik, die Wissenschaftsminister Udo Corts seit Jahren vorantreibt.
Noch gut haben alle Studierenden der so genannten kleinen Fächer im Ohr, wie ihnen Corts die Bündelung zu Fächerzentren in Frankfurt, Gießen und Marburg verkaufte. Jeder könne an seiner Uni in der Regelstudienzeit zu Ende studieren. Nun aber dürfen die Frankfurter Studierenden zwar formal an der Goethe-Uni eingeschrieben bleiben. Faktisch aber stehen sie ohne Bücher da, was natürlich ein schlechter Witz ist. Ihr Studienort heißt Frankfurt, also muss es auch in Frankfurt eine Bibliothek geben - und nicht nur die Möglichkeit der Fernleihe. Sonderlich geschickt von Corts ist es nicht, in scheinbar banalen Einzelfragen große Missstimmung zu provozieren. Denn wie kaum ein anderer Landesminister in Hessen ist er darauf angewiesen, dass man ihm einen Vertrauensvorschuss entgegenbringt. Seit vier Monaten kassiert das Land Studiengebühren - die Studierenden sollen darauf vertrauen, dass dies in Einklang mit der Verfassung geschieht, was nach mehreren Urteilen von Verwaltungsgerichten stark bezweifelt werden darf. Und auch in der Frage, wie das Geld verwendet wird, müssen die Studenten Corts vertrauen. Dank der Studiengebühren werde sich die Situation an den Hochschulen deutlich verbessern, propagiert der Minister gebetsmühlenartig. Ob das wirklich der Fall ist, werden die Studierenden erst feststellen, wenn sie ihre 500 Euro Campus-Maut längst bezahlt haben.Wer auf so viel Gutgläubigkeit angewiesen ist wie Corts, sollte die an ihn gestellten Erwartungen nicht enttäuschen. Und enttäuscht sind die Orientalistik-Studenten, denen ein sorgenfreies Studium bis 2010 versprochen wurde, allemal.

FR, 19.12.2007

Georg Leppert schrieb heute über uns in der FR:

Bücherstreit eskaliert

Es ist nur eine verhältnismäßig kleine Bibliothek: 45 000 Bücher stehen in den Regalen des Orientalischen Seminars der Goethe-Universität an der Dantestraße. Doch die Einrichtung ist zum Politikum geworden. In dieser Woche hat der Streit um die Zukunft der Bücher einen neuen Höhepunkt erreicht: Wie eher beiläufig bekannt wurde, verlagert die Frankfurter Uni die Bibliothek nun doch schon in den nächsten Monaten nach Marburg. Der Asta der Goethe-Uni spricht von einer "nicht hinzunehmenden Zumutung", Orientalistik-Professor Hans Daiber gar von einer "Aufforderung zum Rechtsbruch". Das hessische Wissenschaftsministerium hingegen wiegelt ab: "Die Studierenden werden die erforderliche Literatur zur Verfügung haben", sagt Ministeriumssprecher Ulrich Adolphs.
Besiegelt war das Schicksal der Bibliothek im Sommer 2005, als Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) verkündete, dass an der Marburger Philipps-Uni ein Zentrum für Nah- und Mittelost-Studien entstehen soll. Die Unis Frankfurt und Gießen sollten ihre Bücherbestände dorthin auslagern - dafür bekamen sie andere Zentren für kleinere geisteswissenschaftliche Fächer zugewiesen. Allerdings: Den Studierenden versprach Corts, dass sie ihr Studium bis 2010 fortsetzen können, ohne die Hochschule zu wechseln.Genau diese Zusage sehen Frankfurter Orientalistik-Studierende wie Anja Pfeffermann nun gebrochen. Denn nach einer Vereinbarung zwischen den Universitäten in Frankfurt und Marburg und dem Wissenschaftsministerium, die der Frankfurter Rundschau vorliegt, werden 30 000 Bände bis Mitte Februar 2008 nach Marburg verlagert. Betroffen sind die Fachgebiete Landeskunde, Geschichte islamischer Völker, arabische Literatur und Iranistik. Die restlichen Werke sollen im Sommersemester folgen."Wie soll ich ohne die Bücher in Frankfurt meinen Magister machen?", fragt sich Anja Pfeffermann. Sie habe nicht die Zeit, um täglich nach Marburg zu reisen. Und das Instrument der Fernleihe sei umständlich und funktioniere nur selten.Noch deutlicher wird Professor Hans Daiber: "Die den Frankfurter Orientalistikstudenten zugesagte Zusicherung, ihr Studium bis 2009 / 2010 abschließen zu können, lässt sich ohne Bibliothek nicht einhalten", schreibt er in einer Stellungnahme.Noch vor einem Monat schien eine Lösung im Bücherstreit gefunden. Der Asta teilte erfreut mit, die Unis in Frankfurt und Marburg hätten sich darauf geeinigt, dass die Bibliothek bis 2010 nicht verlagert wird. Doch davon ist in der nun getroffenen Vereinbarung keine Rede mehr. Der Frankfurter Asta spricht daher von "Ränkespielen des Präsidiums".Wenig Verständnis für die Aufregung in Frankfurt haben die Marburger Orientwissenschaftler. "Wir betreiben keine Raubritterei", sagt Walter Sommerfeld, der Gründer des Zentrums für Nah- und Mittelost-Studien. Wichtige Standardwerke der Orientalistik verblieben in Frankfurt. Außerdem sei es den Studierenden schon zuzumuten, "einmal pro Woche nach Marburg zu kommen".Ähnlich sieht man das im Wissenschaftsministerium. Adolphs verweist auf das Semesterticket, das für Fahrten an die Lahn gelte. Zudem sei sichergestellt, dass für die Orientalistik-Veranstaltungen, die bis 2010 in Frankfurt angeboten werden, die nötige Literatur bereit stehe.
Georg Leppert

Montag, 26. November 2007

DEBATTE, BITTE!


Liebe Leser,
bitte nehmt an der Debatte teil, die durch die Kommentare angeregt wird, besonders der Artikel aus der FR bietet offensichtlich genug Zündstoff. Leider ist im Moment aus technischen Gründen keine andere Darstellung der Debatte möglich, als über das Beitragen von Kommentaren! Aber nutzt bitte diese (vielleicht etwas defitzitäre) Möglichkeit! Der Austausch der unterschiedlichsten Positionen erweitert unser aller Horizont. Das ist Wissenschaft: die Auseinandersetzung eben um unterschiedliche Positionen!

Freitag, 23. November 2007

FR, 23.11.2007 (Meinungen aus Marburg)

Die Marburger Orientalisten haben nun auch eine Meinung zu unserem Protest gegen einen voreiligen und verfrühten Abzug unserer Bibliothek, und zwar in der FR vom 23.11.2007. Mehr als unsere Argumente umzukehren, fiel ihnen aber leider nicht ein: in Marburg würde die Bibliothek wirklich genutzt, in Frankfurt gebe es gar kein Umfeld dafür und außerdem seien ja die Studierendenzahlen schon sprunghaft angestiegen... aaaaah ja! Aber lest selbst:

Zentrum für Orient-Studien
Praktikum im Jemen
Für Gründer Walter Sommerfeld steckt in dem neuen Centrum für Nah- und Mittelost-Studien der Marburger Universität die große Chance: "Wir sind hochmotiviert, passen gut zusammen und wollen richtig loslegen", sagt der Altorientalist. Weltweit solle Marburg ein Name in der Orientwissenschaft werden. Am 11. Dezember wird das neue Centrum von Wissenschaftsminister Udo Corts eröffnet. In den Räumen der ehemaligen Kinderklinik wird die hessische Orientforschung gebündelt - sechs Professuren, zwei Juniorprofessuren, ein Honorarprofessor und 1,3 Millionen Euro für die Aufbauphase gehören dazu.
Wut in Frankfurt
Freilich sind nicht alle glücklich über das neue Zentrum. Während die Gießener Islamwissenschaft inzwischen nach Marburg verlagert wurde, gibt es lautstarke Proteste aus Frankfurt. Das Orientalische Seminar der Goethe-Universität will seine wertvolle Bibliothek nun doch nicht abgeben. Mit einer Unterschriftenaktion kämpfen die Studierenden dafür, dass die 40 000 Bände vorerst in Frankfurt bleiben können. Walter Sommerfeld und sein Kollege Stefan Weniger (Semitistik) können über dieses Ansinnen nur den Kopf schütteln: "Bei uns würde die Bibliothek wirklich genutzt. In Frankfurt ist das Umfeld gar nicht da." Im übrigen kritisieren Marburger Wissenschaftler, dass die Philipps-Universität bei der Zentrenbildung in Hessen besonders viel abgeben musste: Das Japan-Zentrum ging nach Frankfurt, die renommierte Slawistik mitsamt ihrer großen Bibliothek nach Gießen. Dagegen blieb die Judaistik entgegen den ursprünglichen Plänen in Frankfurt, die Turkologie in Gießen. Doch die Marburger Forscher freuen sich jetzt, den Studienbetrieb in den 55 Räumen des denkmalgeschützten Gebäudes an der Elisabethkirche aufnehmen zu können. Die Zahl der Studierenden ist bereits sprunghaft angestiegen: 100 Hauptfachstudenten zählt das neue Centrum. Und in Zukunft sollen es noch dreimal so viele werden."Wir haben ein gut überlegtes Gesamtkonzept", sagt Sommerfeld. Dazu gehören nicht nur intensive Kenntnisse über Geschichte, Kultur und Religion sowie das Erlernen von Arabisch oder Persisch. Selbstverständlich ist es für das Team auch, Wissen über Berufsperspektiven in Unternehmen, im diplomatischen Dienst oder in der Migrantenbetreuung zu vermitteln. Wirtschaft und Politik sind Themen. Die Studierenden sollen ein Praktikum in Syrien, Ägypten, Saudi-Arabien, dem Jemen oder dem Libanon absolvieren.
Forschungsschwerpunkt: Irak
Dass Tradition und Moderne verbunden werden sollen, zeigt auch der Internetauftritt des Centrums. Dort ist das moderne Einkaufszentrum von Dubai mit seinen alten arabischen Windtürmen zu sehen, durch deren raffinierte Technik Wind eingefangen wird. Sommerfeld: "Wer sich im breitesten Sinne mit dem Orient beschäftigen will, findet das in Marburg in einer einmaligen Komplexität." Ein Forschungsschwerpunkt ist der Irak, in den zurzeit jedoch keine Wissenschaftler aus Marburg reisen können. Die Philipps-Universität unterhält eine Partnerschaft mit der Universität Bagdad. Sommerfeld ist ausgewiesener Irak-Experte. Nach dem Krieg begutachtete er als deutscher Experte das verwüstete Irak-Museum und protestierte gegen die Raubgrabungen. 2010 werden mehr als 1000 Besucher zum Orientalistentag in Marburg erwartet.
Gesa Coordes

Sonntag, 18. November 2007

FR, 17.11.2007


FR-Campus berichtet aus der Frankfurter Hochschulszene:
Bibliothek bleibt in Frankfurt
Universität findet Lösung für die Orientalistik
Der Erhalt der Orientalistik-Bibliothek an der Johann Wolfgang Goethe-Universität ist vorerst gesichert. Das Präsidium habe zugesichert, dass die aus 40 000 Bänden bestehende Einrichtung bis mindestens 2010 in Frankfurt bleibt, teilte der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) am Freitag mit. Universitätssprecher Olaf Kaltenborn bestätigte diese Darstellung weitgehend. Er fügte jedoch an: Sollten bestimmte Teile des Bestandes kaum nachgefragt werden, sei es nicht ausgeschlossen, dass die Universität diese Bücher schon vor 2010 ans neue Orientalistikzentrum in Marburg geben wird. Ursprünglich sollte die Orientalistik-Bibliothek von November an Stück für Stück an das Marburger Zentrum verlagert werden. Dagegen hatten sich vor allem Studierende der Orientwissenschaften gewehrt. Ihnen war vom Wissenschaftsministerium zugesichert worden, dass sie bis 2010 in Frankfurt studieren können. Dann gibt die Uni die Orientwissenschaften auf und verweist ihre Studierenden auf die Marburger Einrichtung, die im Rahmen der Zentrenbildung kleiner Fächer entsteht.
Zuletzt war der Umzug sogar zum Politikum geworden. Die Linkspartei im Römer hatte sich in einem Antrag für den Erhalt der Bibliothek an der Frankfurter Universität ausgesprochen.
Georg Leppert

Erst ignorieren Sie Dich,
dann verlachen Sie Dich,
dann bekämpfen Sie Dich
und dann gewinnst Du.
***Mahatma Gandhi***

Freitag, 2. November 2007

FR, 01.11.2007 (Leserbrief Dr. Agnes Korn)


http://fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/?em_cnt=1236959&sid=9f90974c149a64dbb6cb0521639987d5
"Uni-Sprecher Olaf Kaltenborn" wird mit der Aussage zitiert, vom Abzug der iranistischen Teile der Orientalistik-Bibliothek sei "fast kein Student oder Wissenschaftler betroffen". Diese Meinung zeigt einen geringen Informiertheitsgrad über die an der Universität Frankfurt geleistete Forschung und Lehre. Durch den Abzug würden folgende Personen direkt eingeschränkt: der im Bericht erwähnte Forschungsmitarbeiter Dr. Zakeri; der Lektor für Persisch, Dr. Eschraghi, und die etwa 60 Studierenden seiner Kurse; T. Jügel, M.A., Stipendiat des Graduiertenkollegs "Satzarten", der seine Doktorarbeit im iranistischen Bereich schreibt, und die TeilnehmerInnen seiner iranistischen Lehrveranstaltungen; die WissenschaftlerInnen der Vergleichenden Sprachwissenschaft, Prof. Dr. Gippert und ich, die wir schwerpunktmäßig über Iranistik forschen sowie die Studierenden dieser Kurse; auch die Turkologen und Religionswissenschaftler sind auf die Bestände der orientalistischen Bibliothek angewiesen. Der geplante Bibliotheks-Umzug zeigt die Fragwürdigkeit von Planungen ohne Einbeziehung der Betroffenen.
Agnes Korn, Frankfurt

Dienstag, 30. Oktober 2007

FR, 30.10.2007



URL: http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/campus/?em_cnt=1235333
Asta stützt Orientalisten
"Schade für die Uni"

Die geplante Verlegung großer Teile der Orientalistik-Bibliothek von der Frankfurter Goethe-Uni nach Marburg kritisiert der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (Asta) scharf."Mit der Amputation einzelner Bibliotheken wird der gesamten Johann Wolfgang Goethe-Universität Schaden zugefügt", sagt die Asta-Vorsitzende Anja Engelhorn. "Die Orientalistik ist relevant für die gesamten sprach-, kultur-, geschichts- und religionswissenschaftlichen Disziplinen." lem

Sonntag, 28. Oktober 2007

FR, 28.10.2007




Orientalisten kämpfen um Bibliothek
Studierende fürchten um Qualität der Lehre, wenn zehntausende Bücher nach Marburg umziehen

VON JUTTA MAIER -- Foto: Boeckheler
Mohsen Zakeri, Forschungsmitarbeiter des Orientalischen Seminars, zieht ein ebenso reich verziertes wie vergilbtes Buch aus dem Regal: einen Band der " Geschichte des osmanischen Reiches" von 1843. "Das sind Museumsstücke", sagt Zakeri und streicht über die Buchrücken, "so eine Bibliothek wie hier gibt es sonst nirgendwo auf der Welt."Lange werden diese Schätze nicht mehr in Frankfurt stehen. Denn wie am Orientalischen Seminar erst vorige Woche bekannt wurde, soll laut eines Briefes von Vize-Universitätsleiter Ingwer Ebsen bereits im Laufe des Novembers mit dem Transfer der 40 000 Bücher starken Frankfurter Bibliothek nach Marburg begonnen werden. Im Zuge der Bündelung von kleinen, geisteswissenschaftlichen Fächern in Zentren wird in Marburg ein Zentrum für Nah- und Mittelost-Studien aufgebaut, in dem die hessische Orientforschung konzentriert wird. Im Gegenzug muss Marburg nach den Plänen der Landesregierung auf die Turkologie, die in Gießen bleibt, sowie auf die Frankfurter Judaistik verzichten. An der Goethe-Universität wird das Zentrum für Ostasien-Wissenschaften angesiedelt, Gießen erhält das Zentrum östliches Europa.
Im Orientalischen Seminar regt sich Protest gegen den plötzlichen Büchertransfer. "Ohne unsere Bücher ist es unmöglich, in der Regelstudienzeit bis 2010 zu Ende zu studieren, wie es uns zugesichert wurde", sagt Mirko Roth, studentische Hilfskraft in der orientalischen Bibliothek.Besonders empört über den Abzug der Bücher sind die Studierenden wegen der in diesem Semester eingeführten Studiengebühren. Sie kämpfen mit einer Unterschriftenaktion dafür, dass der Transfer des Bestands erst 2010 über die Bühne geht. Am Mittwoch übergaben sie im Senat rund 250 Unterschriften. Auf Seiten der Universitätsleitung wird abgewiegelt. Uni-Sprecher Olaf Kaltenborn sagt, es handle sich um ein "reines Problem des Übergangs". Die Bücher würden etappenweise nach Nordhessen transferiert. Dort müssen die analogen Bestände erstmal digitalisiert werden. Für die erste Tranche seien bewusst die Bestände der Iranistik ausgewählt worden. "Davon ist fast kein Student oder Wissenschaftler betroffen", sagt Kaltenborn. Zudem würden den Studierenden die notwendigen Bücher über einen Semesterapparat weiter zur Verfügung stehen. Der Transfer soll bis 2010 abgeschlossen sein - dann wird der Lehrbetrieb in der Frankfurter Orientalistik endgültig eingestellt.Doch Mirko Roth und seine Kommilitonin Anja Pfeffermann fürchten, dass der Bibliothek mit dem Abzug des umfassenden Iranistik-Bestandes das "Rückgrat" fehlen wird. Auch ein Wechsel nach Marburg als Ausweg sei schwierig, weil die Orientalistik dort als Bachelor- in Frankfurt aber als Magisterstudiengang angeboten werde.Wenig Verständnis hat auch der Orientalistik-Professor Hans Daiber, dessen Pensionierung um zwei Jahre verschoben wurde. Er bezeichnet den geplanten Büchertransfer als "großen Verlust für die geisteswissenschaftlichen Fächer der Goethe-Universität". Die Bibliothek müsse allein schon wegen der Verflechtung mit den Religionswissenschaften, dem Zentrum der Wissenschaftsgeschichte, der Judaistik, Afrikanistik und Sprachwissenschaft in Frankfurt bleiben. Zudem entstünden in Marburg Dupletten, weil viele Werke bereits durch den Transfer aus Gießen im Bestand seien. Wenn die Bibliothek schon aufgelöst werden müsse, dann nur als ganzes, sagt Daiber. "Die Aufteilung des Bestands wäre eine Todsünde, weil er in der Zusammensetzung einzigartig ist".Von 2010 an soll in Frankfurt nur noch eine Lektorenstelle für Arabistik zur Verfügung stehen, orientalische Sprachen würden dann als Nebenfach angeboten. Trotzdem pflegt Daiber weiter die Hoffnung, dass die Orientalistik in Frankfurt noch eine Chance bekommt. Immerhin sei der Lehrstuhl am orientalischen Seminar eine Stiftung des jüdischen Bankiers und Universitätsmitbegründers Heinrich Schiff.