Der Informationsdienst Wissenschaft schreibt über den Abtransport der Orientbibliothek:
Trotz Umzug optimal studieren - Teile der Frankfurter Orientalistik-Bibliothek nach Marburg verlagert
Stephan M. Hübner, Marketing und Kommunikation
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)
FRANKFURT. Am heutigen Dienstag sind die ersten Bände der Frankfurter Orientalistik-Bibliothek wie geplant an die Philipps-Universität Marburg abgegeben worden. Ein Antrag, den Verlagerungsprozess durch eine einstweilige Anordnung zu stoppen, war gestern vom Verwaltungsgericht Frankfurt am Main abgelehnt worden.
Die Verlagerung der zirka 30.000 Bände aus den Bereichen 'Geographie, Länder und Völkerkunde', 'Geschichte der Islamischen Völker', 'Arabische Texte' und 'Iranistik' erfolgt im Rahmen des Zentrenbildungs-Konzepts der Hessischen Landesregierung. Dieses wurde im Dezember 2005 von Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) auf den Weg gebracht, um die langfristige Existenzsicherung der bislang über die Universitäten des Landes verteilten 'kleinen Fächer' zu gewährleisten. Im Rahmen des Programms, welches das Land bis 2010 mit 14 Millionen Euro unterstützt, entstand beispielsweise an der Universität Frankfurt das Interdisziplinäre Zentrum für Ostasienwissenschaften (IZO). An der Universität Marburg entsteht hingegen ein Centrum für Nah- und Mittelost-Studien (CNMS), in das Teile des Frankfurter orientalistischen Buchbestands integriert werden. Universitäts-Vizepräsident Prof. Ingwer Ebsen schaut den scheidenden Buchbeständen mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach: "Natürlich ist es zu begrüßen, dass die Landesregierung mit einem innovativen Konzept die Zukunftsfähigkeit der 'kleinen Fächer' sichert. Für uns ist es aber auch sehr schmerzhaft mit anzusehen, wie Teile einer über Jahrzehnte gewachsenen, wichtigen Büchersammlung Frankfurt verlassen." In den kommenden Monaten sollen noch weitere Teile der Orientalistik-Bibliothek nach Marburg verlagert werden; der Transfer soll bis zum Ende der Vorlesungszeit des Sommersemesters 2008 abgeschlossen sein. Im übrigen soll durch in Frankfurt verbleibende Handapparate ein eigenes Fernleihsystem und gute Zugänglichkeit der Bibliothek in Marburg die Studierbarkeit der Orientalistik für die noch in Frankfurt eingeschriebenen Studierenden sichergestellt bleiben. Die Philipps-Universität wird in jedem Fall nicht sofort den Frankfurter Gesamtbestand an Orientalistik-Literatur erhalten. Schon in Marburg vorhandene Titel, insbesondere allgemeine Nachschlagewerke, werden in großer Zahl in Frankfurt verbleiben. Ebsen betont: "In ständiger Abstimmung mit den Marburger Kollegen haben wir alles erdenkliche getan, um den aktuellen Nutzern der Frankfurter Orientalistik-Bibliothek auch weiterhin eine angemessene Arbeitsgrundlage zu sichern. Wir haben Verständnis für die Bedenken unserer Studierenden und möchten nicht, dass diejenigen, die bei uns in der Erwartung, einen funktionierenden Orientalistik-Studiengang anzutreffen, mit dem Studium begonnen haben, durch die Veränderungen einen unzumutbaren Nachteil erleiden. Ein Weiterstudium innerhalb der Regelstudienzeit muss so lange auf hohem Niveau gesichert sein, bis sie ihre Studien beendet haben und der Studiengang in Frankfurt offiziell eingestellt wird. Wir sind zuversichtlich, dass Marburg eine ähnliche Philosophie verfolgt." Um die logistische Grundlage für diese Zusage zu schaffen, ist ein zwischen den Universitäten Frankfurt und Marburg vereinbarter Maßnahmenkatalog umgesetzt worden, der unter anderem festlegt, dass Handapparate für das laufende und das kommende Semester gar nicht erst nach Marburg verlagert werden, weil abzusehen ist, dass sie in Frankfurt gebraucht werden. Sowohl der systematische als auch der alphabetische Katalog der Orientalistikbibliothek sind zwischenzeitlich gescannt worden und stehen online für Recherchen zur Verfügung. Zusammen mit der speziell programmierten Online-Fernleihfunktion ist damit sichergestellt, dass benötigte Bücher grundsätzlich binnen zwei Werktagen in Frankfurt eintreffen. Für Arbeiten mit Katalogkarten ist an der Goethe-Universität weiterhin der alphabetische Katalog der Orientalistikbibliothek einsehbar. In Marburg werden die Bücher in derselben Systematik wie in Frankfurt aufgestellt und in einer Präsenzbibliothek zugänglich sein.
Informationen: Prof. Ingwer Ebsen, Vizepräsident, Campus Bockenheim, Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt. Tel: 069-798-22242, Fax: 069-798-22243, ebsen@pvw.uni-frankfurt.de
Hervorhebungen von der Redaktion von ex oriente lux!
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Mittwoch, 20. Februar 2008
Montag, 17. Dezember 2007
HMWK, Pressemitteilung 12.12.2007
Liebe Kommilitonen,
offensichtlich haben wir dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) und seinem wichtigsten Vertreter, Minister Udo Corts, unrecht getan: entgegen allem, was uns bislang bekannt war, hat man sich im HMWK die Geschichte mit der Zentrenbildung nicht einfach nur ausgedacht, vielmehr fand ein reger Austausch auch mit den Professoren statt. Zitat:
Staatsminister Corts hob hervor, dass es in den Diskussionen über die Zentrenbildung praktisch kein Argument gegeben habe, das von Ministerium und Universitätsleitungen außer Acht gelassen worden wäre. „In einer regen Auseinandersetzung mit den Präsidenten, den Professoren und vor allem auch mit der einhelligen Unterstützung des Hessischen Landtags sind die Zentren auf die Beine gestellt worden.“ Im Hinblick darauf, dass vereinzelte Klagen von Studierenden und Professoren gegen das Konzept von den Gerichten abgewiesen worden waren, fügte er hinzu, das Projekt sei auch juristisch anerkannt.
Wer diese Professoren sein sollen, bleibt leider unklar.
Interessant ist auch, dass Herr Corts bereits weiß, welche Bestände in Marburg benötigt werden. Offensichtlich hat er sich in orientalistischer Hinsicht weitergebildet, sehr löblich! Zitat:
„Der Transfer der Orientbibliothek von Frankfurt nach Marburg ist gesichert“, sagte der Minister: Bis 15. Februar 2008 würden die wesentlichen Bestände, die die Universität Marburg benötige, umziehen. „Forschung und Lehre, die neuen Berufungen und die neuen Projekte sind damit in eine Arbeitssituation versetzt, wie sie besser nicht seien könnte.“ Die neuen Räume des CNMS in unmittelbarer Nachbarschaft der Elisabethkirche in Marburg seien ein weiterer wesentlicher und wichtiger Faktor für das neue Zentrum.
Keine Rede von Dublettenabgleich, und vor allem: keine Rede von den noch nicht bezugsfertigen Bibliohteksräumen in Marburg.
Komplett verschwiegen wird in dieser Pressemitteilung auch, dass Minister Corts Studenten kriminalisiert: in seiner Festrede sprach er im Hinblick auf vor den Festräumen friedlich demonstrierende Studierende davon, dass man sich ja kaum noch ohne Personenschutz bewegen könne. Sprachs und verschwand alsbald durch die Hintertür -- natürlich mit seinen Personenschützern. Auf was für ein Demokratie- und Menschen-Verständnis lassen solche Aussagen schließen?!?
Traurig für die deutsche Presselandschaft: diese Pressemitteilung wurde von vielen Informationsdiensten ohne weitere Recherche haarklein und unkommentiert übernommen, z. B. bildungsklick oder auch Informationsdienst Wissenschaft.
offensichtlich haben wir dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) und seinem wichtigsten Vertreter, Minister Udo Corts, unrecht getan: entgegen allem, was uns bislang bekannt war, hat man sich im HMWK die Geschichte mit der Zentrenbildung nicht einfach nur ausgedacht, vielmehr fand ein reger Austausch auch mit den Professoren statt. Zitat:
Staatsminister Corts hob hervor, dass es in den Diskussionen über die Zentrenbildung praktisch kein Argument gegeben habe, das von Ministerium und Universitätsleitungen außer Acht gelassen worden wäre. „In einer regen Auseinandersetzung mit den Präsidenten, den Professoren und vor allem auch mit der einhelligen Unterstützung des Hessischen Landtags sind die Zentren auf die Beine gestellt worden.“ Im Hinblick darauf, dass vereinzelte Klagen von Studierenden und Professoren gegen das Konzept von den Gerichten abgewiesen worden waren, fügte er hinzu, das Projekt sei auch juristisch anerkannt.
Wer diese Professoren sein sollen, bleibt leider unklar.
Interessant ist auch, dass Herr Corts bereits weiß, welche Bestände in Marburg benötigt werden. Offensichtlich hat er sich in orientalistischer Hinsicht weitergebildet, sehr löblich! Zitat:
„Der Transfer der Orientbibliothek von Frankfurt nach Marburg ist gesichert“, sagte der Minister: Bis 15. Februar 2008 würden die wesentlichen Bestände, die die Universität Marburg benötige, umziehen. „Forschung und Lehre, die neuen Berufungen und die neuen Projekte sind damit in eine Arbeitssituation versetzt, wie sie besser nicht seien könnte.“ Die neuen Räume des CNMS in unmittelbarer Nachbarschaft der Elisabethkirche in Marburg seien ein weiterer wesentlicher und wichtiger Faktor für das neue Zentrum.
Keine Rede von Dublettenabgleich, und vor allem: keine Rede von den noch nicht bezugsfertigen Bibliohteksräumen in Marburg.
Komplett verschwiegen wird in dieser Pressemitteilung auch, dass Minister Corts Studenten kriminalisiert: in seiner Festrede sprach er im Hinblick auf vor den Festräumen friedlich demonstrierende Studierende davon, dass man sich ja kaum noch ohne Personenschutz bewegen könne. Sprachs und verschwand alsbald durch die Hintertür -- natürlich mit seinen Personenschützern. Auf was für ein Demokratie- und Menschen-Verständnis lassen solche Aussagen schließen?!?
Traurig für die deutsche Presselandschaft: diese Pressemitteilung wurde von vielen Informationsdiensten ohne weitere Recherche haarklein und unkommentiert übernommen, z. B. bildungsklick oder auch Informationsdienst Wissenschaft.
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