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Sonntag, 6. Januar 2008

FNP, 31.12.2007 (Leserbrief)

Printausgabe der FNP vom 31.12.2007
Vertrauen ist erschüttert
Der größte Teil der Orient-Bibliothek der Universität soll nach Marburg gehen. („Protest vor der Wahl des neuen Uni-Vizepräsidenten“, FNP vom 20.Dezember):
Der Abzug der Bücher der Orientalistik-Bibliothek aus Frankfurt ist in vielerlei Hinsicht eine nicht hinzunehmende Zumutung. Zunächst muss man einen Punkt klarstellen: Herr Minister Corts verspricht, Studenten müssten für die Fortsetzung ihres Studiums nicht die Hochschule wechseln. Das wäre auch ohne enormen Zeitverlust aufseiten der Studenten überhaupt nicht möglich, da in Deutschland kaum ein vergleichbarer Studiengang in Orientalistik angeboten wird. Fakt ist, dass wir ohne die Bibliothek von unserem Studium nicht das bekommen und vor allem nicht weiter bekommen werden, was uns im Jahr 2005 bei unserer Einschreibung versprochen wurde. Und dafür zahlen wir schließlich Studiengebühren, die ja angeblich die Lehre stark verbessern sollen! Herr Sommerfeld aus Marburg hat scheinbar wenig Realitätssinn, wenn er davon spricht, dass es Studierenden zuzumuten ist, einmal in der Woche eine Reise von Frankfurt nach Marburg in Kauf zu nehmen.
Das Vertrauen in die Uni-Präsidien aus Frankfurt und Marburg sowie das Wissenschaftsministerium, die uns seit Monaten zu täuschen versuchen, uns Informationen vorenthalten (man erfährt von Beschlüssen nur aus regionalen Tageszeitungen oder mit zeitlichem Abstand) und keinen Plan für die Abwicklung des Prozesses entwickelt haben, ist zutiefst erschüttert.
Jan K.
Für die ungekürzte Version des Leserbriefs bitte hier klicken!

Freitag, 21. Dezember 2007

FR, 21.12.2007

Radau im Römer, aus der FR vom 21.12.2007:

Plädoyer für Bücher
Linkspartei will Orientalistik-Bibliothek retten
Die Linkspartei spricht von einem "schweren Rückschlag für den Universitätsstandort Frankfurt", der Landesausländerbeirat vermutet sogar "Bücherklau": Die Reaktionen auf den geplanten Umzug der Orientalistik-Bibliothek von Frankfurt nach Marburg sind heftig ausgefallen.Wie dieser Tage bekannt wurde, wird ein Großteil der 45 000 Bücher in der Bibliothek bereits bis Mitte Februar ans neue Marburger Zentrum für Nah- und Mittelost-Studien verschickt. Der Rest soll im Sommersemester folgen. Bislang waren die Frankfurter Studierenden davon ausgegangen, dass die Bibliothek bis 2010 an der Goethe-Uni bleibt. Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) hatte zugesichert, dass Orientalistik bis zu diesem Jahr in Frankfurt angeboten wird.
Corts setze nun "seine unverantwortliche Kahlschlagpolitik in der Bildung fort", beklagt die Fraktion der Linken im Römer. Kurz vor der Landtagswahl sollten an der Goethe-Universität "im Hauruckverfahren noch vollendete Tatsachen geschaffen werden". Der Frankfurter Uni-Präsident Rudolf Steinberg, sein Marburger Kollege Volker Nienhaus und der Wissenschaftsminister müssten die Frage beantworten, wie die Studierenden ohne Bücher ihr Studium beenden sollen, sagt die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Astrid Fischer: "Die Frankfurter Universität muss jetzt umgehend den betroffenen Studenten die gezahlten Studiengebühren zurückerstatten."Bereits vor einem Monat hatte die Linkspartei in einem Antrag gefordert, die Orientalistik-Bibliothek vorerst nicht zu verlagern. Die Vorlage wurde von der Mehrheit im Römer jedoch abgelehnt, da der Asta der Uni zwischenzeitlich verkündet hatte, die Bücher blieben bis 2010 in Frankfurt."Den Studenten werden quasi die Bücher geklaut", sagte der Vorsitzende des Landesausländerbeirats, Yilmaz Memisoglu. Nicht nur die Orientalistik-Studierenden, sondern auch ihre Kommilitonen mit dem Schwerpunkt Islamische Religion seien auf die Bibliothek angewiesen. Die Bände müssten daher in Frankfurt bleiben.
Georg Leppert

Donnerstag, 20. Dezember 2007

FNP, 20.12.2007

aus der Frankfurter Neuen Presse vom 20.12.2007
Protest vor der Wahl des neuen Uni-
Vize-präsidenten
Frankfurt. (fnp) Prof. Wolf Aßmus (63) ist ab 1. Januar Vize-Präsident der Goethe-Universität. Er folgt Prof. Horst Stöcker nach, der das Amt aufgibt. Stöcker ist seit einigen Monaten Geschäftsführer der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt.Aßmus ist, wie Stöcker, Physiker. Sein Schwerpunkt ist die Materialforschung. Der Wissenschaftler wird seine Funktion als Dekan des Fachbereichs aufgeben: „Man kann nicht zwei Hüte aufhaben“, sagte er. Er wurde vom erweiterten Senat mit 29 zu 1 Stimmen gewählt. Die Senatssitzung in der Aula war für einige Minuten gestört worden: Etwa 20 Orientalistik-Studenten drängten lärmend in die Aula und forderten den Verbleib der Orient-Bibliothek. Anlass für den Protest ist eine Vereinbarung, die die Uni-Präsidenten aus Marburg und aus Frankfurt jüngst unterzeichnet haben. Darin sagt Frankfurt den Marburgern zu, bis Februar rund 30 000 der insgesamt 45 000 Bücher nach Marburg zu senden. Der Rest soll in den kommenden Monaten folgen. Hintergrund der Verlagerung: Das Studienfach Orientalistik wird im Zuge der Schwerpunktbildung nur noch in Marburg angeboten. Frankfurter Studenten haben jedoch bis 2009 Zeit, ihre Abschlussprüfungen zu machen. Das Präsidium hatte ihnen vor einigen Wochen Bücher und gute Studienbedingungen zugesagt. Der Orientalist Prof. Hans Daiber fordert, die Bibliothek bis 2009 in Frankfurt zu belassen. Er wendet gegen die Vereinbarung ein, dass es lange dauert, bis die Bestände aus Frankfurt in Marburg katalogisiert sind. So lange jedoch könnten weder die Studenten in Marburg noch die in Frankfurt auf die Bücher zugreifen. Der Asta bezeichnet das Vorgehen des Präsidiums als „unvorbereitet und intransparent“. Das Präsidium mute den 66 Studenten zu, wegen der Bücher nach Marburg zu fahren. In Marburg versteht man die Aufregung nicht. „Wir haben hier 90 und bald mehr als 100 Studierende. Wir brauchen die Bücher auch“, sagte die Geschäftsführerin des Zentrums für Nahoststudien, Leslie Tramontini. (tjs)

FAZ, 20.12.2007

aus der FAZ vom 20.12.2007:

Orientbibliothek soll doch umziehen
Die Orientalistik-Bibliothek der Universität soll voraussichtlich doch schon Anfang 2008 an die Universität Marburg verlegt werden. Offenbar bereits in der zweiten Februarwoche wird ein Großteil des Bestandes von Frankfurt an das neugegründete Zentrum für Studien des Nahen und Mittleren Ostens in Marburg verlagert. Schon zu Beginn des Wintersemesters hatte die Bibliothek, die mehr als 40000 Bände umfasst, zum neuen Standort umziehen sollen. Damals hatten Studenten und Hochschullehrer protestiert, da nicht nur Orientalisten, sondern auch Studenten der Fächer Theologie, Islamische Theologie und Empirische Sprachwissenschaft auf die Bestände angewiesen seien. Zudem kritisieren Gegner den Aufwand des Umzugs, der mit hohen Kosten und der Zerstörung der Systematik der Bestände verbunden sei. Bis 2010 sollen die Studenten trotz der Zentrenbildung kleinerer Fächer in Frankfurt weiterstudieren können, vor wenigen Wochen hatte es deshalb geheißen, die Bibliothek bleibe. Nun könnten die Studenten gezwungen sein, zur Lektüre nach Marburg zu fahren, denn nur ein geringer Buchbestand soll in Frankfurt bleiben. emm.