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Montag, 21. Januar 2008

FAZ, 21.01.2008

Im Lokalteil der FAZ vom 21.02.2008 war ein großes Feature über die Zentrenbildung von Orchideenfächern in Hessen zu lesen. Darunter fällt auch folgender Artikel, der sich speziell mit der Orchidee Orientalistik und deren Bündelung im Marburger Zentrum befasst:

Orientalistik
Warten auf die Bibliothek
„Es läuft ausgezeichnet“, sagt Walter Sommerfeld, Koordinator des Marburger Zentrums für Nah- und Mitteloststudien. Im Dezember hat die Einrichtung ihr Domizil in der ehemaligen Kinderklinik bezogen. Die „Wunden“, die der Beschluss zur Zusammenlegung geschlagen habe, verheilten langsam, meint der Altorientalistik-Professor. Nach anfänglichen Protesten gebe es nun viel positive Resonanz.
Klagen kämen nur von jenen zwei Dritteln der rund 40 Studenten aus Gießen, die aus persönlichen Gründen oder weil bestimmte Fächerkombinationen in Marburg nicht möglich seien, pendeln müssten. Auch wenn der neue Standort zentral liegt, kostet die Fahrerei viel Zeit und Energie. Die Ausstattung des Orientzentrums, in dem man unter anderem rund 600 arabische Fernsehsender ansehen kann, scheint dagegen gut angenommen zu werden. Was noch fehlt, ist die eigene Bibliothek, die im Laufe des Jahres in einem Nebengebäude eingerichtet werden soll.
Beschlossene Sache ist der Umzug von rund 40.000 Bänden aus Frankfurt nach Marburg: Am 11. Februar wird, bis auf die Handapparate, der erste Teil der Orientbibliothek an der Goethe-Universität zusammengepackt. Doubletten und notwendige Titel sollen in Frankfurt bleiben, angeschafft oder kopiert werden. Die Verlagerung der Frankfurter Bibliothek ruft Unmut hervor: Die verbleibenden knapp 40 Frankfurter Studenten der Orientalistik erinnerten daran, dass man ihnen garantiert habe, sie könnten das Studium bei ihrem Professor Hans Daiber beenden. Dazu aber benötige man eben auch eine Bibliothek – abgesehen davon, dass andere Fächer auf den Frankfurter Bestand zurückgreifen müssten.
In Marburg, wo bald die mit 100.000 Bänden drittgrößte Orientbibliothek Deutschlands entstehen wird, sind mittlerweile 97 statt zuvor 35 Studenten eingeschrieben. Nicht nur die Kollegen in anderen Städten beobachten laut Sommerfeld neugierig die Entwicklung des Marburger Zentrums. Das Angebot locke auch Erstsemester aus ganz Deutschland an. Vormals zwei, nun sechs Professoren, insgesamt 20 Lehrende arbeiteten fächerübergreifend zusammen, die Betreuungsrelation sei sehr gut.
Nun könne eine zeitgemäße Ausbildung geboten werden, die den ökonomischen und politischen Herausforderungen des islamischen Kulturraumes Rechnung trage, ohne die guten Traditionen der deutschen Orientalistik zu vernachlässigen. Schwierig sei allerdings die Besetzung der neuen Professuren für Wirtschaft und Politik des Nahen und Mittleren Ostens. Ein Juniorprofessor für Wirtschaft werde jetzt berufen. Alle neuen Stellen, auch die einer Geschäftsführerin, werden durch die zusätzlichen Mittel des Landes finanziert – bis 2010. Wie es dann weitergeht, ist noch offen.
Wim Raven, der einzige Dozent, der von Frankfurt nach Marburg gezogen ist, lobt das Betriebsklima und die Arbeitsatmosphäre. Wenn ihn Kollegen bedauern, weil er in die „Provinz“ gewechselt sei, kann er nur lachen. Die Hauptsache sei doch, auf die Bedürfnisse der Studenten und Mitarbeiter besser eingehen zu können – und das gelinge in Marburg.
emm

Freitag, 18. Januar 2008

FAZ, 16.01.2008

Auszug aus dem FAZ-Artikel Nur bei den Gebühren gibt es keinen Kompromiss vom 16.01.2008:

[...]
Entscheidungen „von oben“
Entspannt und freundlich gehen die Hochschulpolitiker der vier im Landtag vertretenen Parteien an diesem Morgen miteinander um. Zuweilen gibt es sogar Konsens, etwa was die Bildung von Zentren für die kleineren geisteswissenschaftlichen Fächer angeht. Die Konzentration der Asienwissenschaften in Frankfurt, der Orientalistik in Marburg und der Osteuropakunde in Gießen sei nötig gewesen, befinden nicht nur Corts und Nicola Beer, hochschulpolitische Sprecherin der FDP. Gernot Grumbach, der „Schattenminister“ der SPD, und Sarah Sorge, hochschulpolitische Sprecherin der Grünen, hätten sich allerdings mehr Demokratie während der Vorbereitung der Umzüge gewünscht. Nicht nur bei der Zentrenbildung seien Entscheidungen zu sehr „von oben“ und zu schnell getroffen worden. Sorge, die bemängelte, dass etwa die Bibliothek der Frankfurter Orientalisten nun nach Marburg verlagert werde, obwohl die Bücher noch in Frankfurt gebraucht würden, sprach von Wortbruch – ein Vorwurf, den Corts nicht auf sich sitzenlassen wollte. [...]
Eva-Maria Magel

Donnerstag, 20. Dezember 2007

FAZ, 20.12.2007

aus der FAZ vom 20.12.2007:

Orientbibliothek soll doch umziehen
Die Orientalistik-Bibliothek der Universität soll voraussichtlich doch schon Anfang 2008 an die Universität Marburg verlegt werden. Offenbar bereits in der zweiten Februarwoche wird ein Großteil des Bestandes von Frankfurt an das neugegründete Zentrum für Studien des Nahen und Mittleren Ostens in Marburg verlagert. Schon zu Beginn des Wintersemesters hatte die Bibliothek, die mehr als 40000 Bände umfasst, zum neuen Standort umziehen sollen. Damals hatten Studenten und Hochschullehrer protestiert, da nicht nur Orientalisten, sondern auch Studenten der Fächer Theologie, Islamische Theologie und Empirische Sprachwissenschaft auf die Bestände angewiesen seien. Zudem kritisieren Gegner den Aufwand des Umzugs, der mit hohen Kosten und der Zerstörung der Systematik der Bestände verbunden sei. Bis 2010 sollen die Studenten trotz der Zentrenbildung kleinerer Fächer in Frankfurt weiterstudieren können, vor wenigen Wochen hatte es deshalb geheißen, die Bibliothek bleibe. Nun könnten die Studenten gezwungen sein, zur Lektüre nach Marburg zu fahren, denn nur ein geringer Buchbestand soll in Frankfurt bleiben. emm.

Samstag, 27. Oktober 2007

FAZ, 23.10.2007


FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG
SEITE 54 - DIENSTAG, 23. OKTOBER 2007 - NR. 246

Studieren ohne Bücher
Weiter Ärger über Zentrenbildung in Hessen


FRANKFURT/MARBURG. Im Orienta­lischen Seminar der Universität Frank­furt protestieren die Studenten für den Erhalt ihrer Bibliothek. Schon im No­vember sollen, wie ihnen erst jetzt mit­geteilt wurde, große Teile des Bestan­des an die Universität Marburg ge­bracht werden. Dort entsteht das Zen­trum für Nah- und Mitteloststudien, seit die Landesregierung beschlossen hatte, die kleineren geisteswissen­schaftlichen Fächer zu bündeln. Im Ge­genzug wird das Marburger Japanzen­trum geschlossen; eine erste Ladung Bücher soll nun nach Frankfurt kom­men, wo das Fach wetterbetrieben wird.
Allerdings war schon eingeschriebe­nen Studenten garantiert worden, ihr Studium an der eigenen Hochschule ab­schließen zu können. Frühestens 2010, heißt es, würden die Standorte geschlos­sen. Die Frankfurter Orientalisten, die nun die ersten Studiengebühren ent­richten mussten, haben ihre Kommilito­nen im Senat, der morgen tagen wird, um Amtshilfe gebeten: Das Vorenthal­ten wissenschaftlicher Literatur sei Grund für eine Klage auf Rückerstat­tung der Gebühren.
Der Frankfurter Uni-Vizepräsident Ingwer Ebsen sagte gestern, die schritt­weise Bibliotheksverlagerung sei „ei­nes der schwierigen Übergangsproble­me des Zentrumskonzeptes". Schon 2009/2010 würden die neuen Zentren evaluiert, daher müsse gehandelt wer­den. Dies solle das Studium möglichst wenig beeinträchtigen. Mit Marburg sei ausgemacht, etwa durch Semesterappa­rate in Frankfurt die Literaturversorgung sicherzustellen.
Deutlicher noch als die Kritik der Stu­denten fällt jene der Wissenschaftler aus, die sich ebenfalls im Senat zu Wort melden wollen. Der Frankfurter Orien­talistikprofessor Hans Daiber sagte, er habe erst durch Ebsens Brief vom 15. Oktober von der kurzfristig bevor­stehenden Teilauflösung der Bibliothek erfahren, bei der auch die wichtige Arabistikliteratur weggebracht werden soll. Studenten und Forscher benötig­ten den Buchbestand, außerdem werde er von der Judaistik und der Religions­wissenschaft, zumal dem neu etablier­ten Schwerpunkt Islam, genutzt. Die ge­plante Teilung bedeute Zerstörung: Wenn überhaupt, so Daiber, solle die Bi­bliothek komplett transferiert werden. Daiber, der jetzt hätte emeritiert wer­den sollen, wird noch bis 2009 lehren und prüfen.
Der Bibliotheksumzug ist nur eine Folge der von allen Beteiligten unge­liebten Zentrenbildung. Schon im April hatten Orientalistik-Studenten protes­tiert, weil die nach der Verlegung einer Wissenschaftlerstelle nach Marburg versprochene Aufstockung des Lehran­gebots unterblieben war. Der Frankfur­ter Sprachwissenschaftler Jost Gippert sagte, schon jetzt dürften sich Studen­ten nicht mehr für den neugeschaffe­nen Studiengang Empirische Sprach­wissenschaften mit dem Schwerpunkt orientalische Sprachen einschreiben. In Zukunft soll es laut Ebsen nur eine Lektorenstelle für Arabisch an der Uni­versität geben. Heinrich Menkhaus, Marburger Professor für japanisches Recht, hält einen Umzug der Japan-Bi­bliothek für nicht sinnvoll, zumindest nicht, bevor das gesamte Zentrum „ab­gewickelt" sei. Frankfurt habe man die philologischen Bestände angeboten, da dieses Fach in Marburg nicht gelehrt werde.
Noch unklar ist das Schicksal der Frankfurter Turkologie. Dass die Ju­daistik, die ursprünglich zur Dispositi­on stand, nach Protesten sogar zu ei­nem Frankfurter Schwerpunkt erklärt wurde, lässt Daiber hoffen: Seine Pro­fessur beruhe auf der Stiftung eines jü­dischen Mitbegründers der Universi­tät, des Bankiers Heinrich Schiff. Die­ses Erbe zu vernachlässigen könne nicht im Sinne der künftigen Stifungs­universität sein. EVA-MARIA MAGEL