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Montag, 18. Februar 2008

PM, AStA, 18.02.1008

Abtransport der Orientalistikbibliothek nach Marburg
Die Teildemontage unserer Universität wird fortgesetzt...

In den vergangenen Monaten waren die Studierenden der Frankfurter Orientalistik vielem ausgesetzt. Im Zuge der Zentrenbildung läuft der Studiengang im Sommersemester 2010 aus, weshalb die zuletzt eingeschriebenen Studierenden nur unter enormem Zeitdruck ihr Studium innerhalb der Regelstudienzeit in neun Semestern beenden müssen. Jetzt wird den 40 Studierenden auch noch das in unzumutbarer Weise erschwert. Der Abtransport steht für den kommenden Dienstag den 19.02. um acht Uhr morgens fest. Beispielhaft zeigt sich hier die Ignoranz und Arroganz der Frankfurter Universitätsleitung und des hessischen Ministeriums. Zusammen mit Marburg haben die drei beteiligten Parteien die Regelung über den Verbleib der Bibliothek im vergangenen November getroffen. Hierüber waren weder Professoren noch Studierende in Kenntnis gesetzt worden. Selbst die Entscheidung des Senats, nichts zu unternehmen, bevor nicht alles entsprechend geprüft worden sei bzw. zumindest elektronisch katalogisiert, wurde schlichtweg übergangen. Wieder einmal ein Alleingang der zu Lasten der Studierenden geht…..In den letzten Wochen haben die Studierenden mit dem AStA viel gekämpft, alles versucht um den bevorstehenden Umzug zu verhindern. Zuletzt haben wir einen Eilbeschuss beim Verwaltungsgericht eingereicht. Dieser hätte den Umzug solange aufschieben sollen wie die richterliche Entscheidung über den Verbleib der Bibliothek aussteht, allerdings erklärte der Richter, dass er hierfür keine Notwendigkeit sieht bzw. er zunächst noch eine Stellungnahme seitens des Präsidiums einholen möchte. Hierfür bleibt uns allerdings keine Zeit. Laut unserer Anwältin ist dies nicht nötig, weshalb sie dieses Vorgehen wundert. Jetzt brauchen die Studierenden der Orientalistik deine Hilfe für Solidarität und den Erhalt der Bibliothek….denn es geht uns alle an.Wer weiß wessen Bücher die nächsten sind?
Treffpunkt: Di, 19.02., 8:00h, Dantestr. 4-6

Mittwoch, 7. November 2007

Ansichten eines Orientalistik-Studenten


FRANKFURTER ORIENTALISTEN – wer sind wir, was machen wir, was bewegt uns? Da uns nicht alle kennen, eine kleine Vorstellung. Im Folgenden finden sich einige Hintergründe zu uns, dem Studium an sich und zu unseren Gedanken.

ORIENTALISTIK?
Was macht man da?
Willst Du zum Islam konvertieren?
Sympathisierst Du mit Terroristen?Das sind die Fragen, mit denen man als Student dieses Faches, welches gerne als "exotisch" bezeichnet wird, bisweilen leben muss. Die Inhalte des Studiums sind vielen Menschen nicht bekannt – im Gegensatz zu Jura oder BWL. Dabei handelt es sich um Themen, die verschiedenste Bereiche von Forschung und Lehre tangieren. Mathematik, Philosophie und Kunst sind nur einige der wissenschaftlichen Dimensionen, die durch den Orient eine starke Prägung erfahren haben. Dem weiten - oft unterschätztem - geistigem und kulturellem Erbe des frühen Orients stehen die aktuelle politische und religiöse Bedeutung des Faches gegenüber, ebenso wie natürlich Sprachen und Kulturerfahrung.

WER SIND WIR? WIE SIND WIR?
Man kann davon ausgehen, dass junge Menschen, die sich zu einem Studium im kultur- oder sprachwissenschaftlichen Bereich bewegen, schon relativ vorurteilsfrei der Welt gegenüber sind. Wenn nicht, bekommt man bei uns reichlich Gelegenheit dazu, das "Andersartige" zu begreifen und zu erleben. Die meisten von uns sind Sozial-, Kultur-, Sprach- oder Religionswissenschaftler, die sich besonders für den Orient bzw. den Islam interessieren. Darüber hinaus gibt es in den Sprachkursen jedoch auch eine große Anzahl Teilnehmer aller Fachbereiche, die hier Kenntnisse in den Sprachen Arabisch, Persisch, Türkisch, Hebräisch sowie Syrisch-Aramäisch erwerben oder ausbauen möchten. Hin und wieder finden sich dazu sogar Schüler, Berufstätige oder Rentner als Gaststudenten ein.Die Atmosphäre ist freundlicher als in vielen Massenfächern, da man einander kennt und der Großteil der Studierendendas Fach nicht auf elterlichen Wunsch oder Karriereorientierung hin studiert, sondern sich ob dessen sorgfältig Gedanken gemacht hat und auch eine tiefer gehende Begeisterung für die Lehre mitbringt. Dadurch entwickeln sich gemeinsame Interessen und teilweise auch lebhafte Diskussion. Wir sind aber auch die Studenten der letzten Semester in diesem Fach an der Universität in Frankfurt, denn seit 2005 werden keine neuen Studenten infolge der hessischen Orient-Zentrenbildung mehr aufgenommen. Anfang 2006 wurde uns mitgeteilt, dass wir unser Studium bis 2009/10 beenden müssen, da dann der komplette Umzug von Frankfurt ins neue Zentrum nach Marburg erfolgen soll. Von daher müssen wir mit dem Druck leben, das nicht gerade leichte Studium in der Regelstudienzeit erfolgreich voranzutreiben, und uns mit einer eher eingeschränkten Lehre zufrieden geben, um die wir im Sommersemester 2007 sogar noch kämpfen mussten. Nun jedoch in größerem Ausmaß für unsere Bibliothek, denn ein Studium, ganz besonders das Hauptstudium aufgrund des selbstständigen Arbeitens auf Grundlage vieler Quellen, ist ohne umfassende Literatur nicht möglich.

DER WEG ZUR ORIENTALISTIK
Als gutes Beispiel für die Motivation zum Orientalistik-Studium lässt sich vielleicht meine Geschichte darstellen: Mit 13 Jahren durfte ich mit meinen Eltern auf eine für dieses junge Alter mehr als abenteuerliche Studienreise nach Israel und auf die Sinai-Halbinsel. Eine Woche mit Beduinen und Kamelen durch die Wüste, nur Fladenbrot und Tee zu den Hauptmahlzeiten sowie Nächte unter Millionen von Sternen. Ein derartiges Erlebnis prägt fürs Leben, so dass ich zum Beispiel dann kurz nach meinem 21. Geburtstag zu Hause einen Zettel liegen ließ (meine Familie war gerade selbst verreist): "Ich bin in Marokko. Komme nächste Woche wieder. Hier ist die Adresse ... meine Flüge ..." Es kam eine Lebensphase, in der ich unbedingt mehr über den Orient erfahren wollte. Interesse an Sprachen hatte ich schon lange, so dass Arabisch und Persisch eine neue Herausforderung darstellten. Alsdann war es keine schwierige Entscheidung, Orientalistik zu wählen. Auch wenn es häufig ein harter Kampf mit Übersetzungen ist, die einen viel Zeit und manchmal auch Nerven kosten, und der fortschreitende Abbau des Faches in Frankfurt dem Beschreiten eines steinernen Weges gleichkommt, hat sich die Entscheidung gelohnt.

BESONDERE ERFAHRUNGEN
Was mich in den bisherigen zwei Jahren am meisten beeindruckt hat, war das sehr gute Verständnis unter den Studierenden trotz verschiedenster Herkunft und Religion. Meiner Meinung nach macht man hier die beste Erfahrung, dass Integration und multikonfessionelles Miteinander durchaus möglich und auch in Teilen der Gesellschaft durchgedrungen sind. Dabei erlebt man Geschichten, die leider in der Öffentlichkeit vor lauter kritischer Medienstimmung und Realitätsverzerrung untergehen:Beispielsweise wurde ich zu meinem ersten Kirchenbesuch in Frankfurt von einer muslimischen Kommilitonin bewegt. Eine andere berichtete eines Tages stolz davon, wie sie bei einem Konzert eines islamischen Vereins mit ihren Freunden die Geschlechtertrennung im Saal ignorierte und trotz manch schiefen Blicks den Abend in "gemischter" Runde genoss. Es gibt andere Realitäten. Aber dies ist ebenfalls eine - die jedoch von kaum jemandem wahrgenommen wird, weil sich beide Seiten nicht trauen, aufeinander zuzugehen. Die dafür nötigen "Werkzeuge" kann man bei uns erhalten oder aber auch bestärken. In Afghanistan oder dem Irak hätte ich nur Angst vor Bomben. Aber nicht vor den Menschen. Vielmehr empfinde ich für sie eine tiefe Bewunderung und Faszination. Ich freue mich auf den Tag, an dem ich diese Länder bereisen kann. Bei meinen Orient-Aufenthalten, die sich bisher eher in ruhigen Ländern wie eben Marokko, Jordanien und Ägypten abgespielt haben, konnte ich stets gute Erfahrungen mit den Menschen und der Kultur machen. Die Herzlichkeit, mit der man dort willkommen geheißen wird, fehlt mir häufig in unserer schnelllebigen und kühlen Welt. Ebenso die Zufriedenheit mit den "kleinen" Dingen des Lebens. Es lohnt sich also ein Blick aus anderer Perspektive auf diese Welt, die trotz aller Negativ-Schlagzeilen in vielerlei Hinsicht mehr als einen Hauch von 1001 Nacht bewahrt hat.

PRAXIS
Doch ist der Studiengang Orientalistik natürlich auch von fachlicher und theoretischer Bedeutung, wenn es darum geht, die Unterschiede zwischen unserer Welt und der des Orients zu ergründen und damit auch die den meisten verborgenen Wurzeln der aktuellen Weltkonflikte kennen- und einzuschätzen zu lernen. Sicher sind Gepflogenheiten, die einst für Nomadenvölker eine augenscheinliche Logik hatten und möglicherweise eine Überlebensnotwendigkeit darstellten, heute nicht mehr zeitgemäß und werden dennoch weiter häufig wortwörtlich so ausgelegt und gelebt. Keinesfalls stellt dies eine Rechtfertigung für menschenunwürdige Handlungen dar. Jedoch kann man mit den gewonnenen Einsichten ein gewisses Verständnis entwickeln, welches für die Lösung der Spannungen von größter Wichtigkeit ist. Man neigt in unserer Gesellschaft dazu, vorschnell Schlüsse zu ziehen sowie Veränderungen strikt und von heute auf morgen durchsetzen zu wollen. Die Effekte davon spürt man dann im Zusammenbrechen der Kulturen und Völker, in die wir derart radikal eingreifen. Und in unserem Drang nach einer Welt in "unseren" Maßstäben vergessen wir, wie lange es uns selbst an Zeit gekostet hat, bis wir dort angekommen sind, wo wir heute stehen. Dazu sind auch wir trotz unserer so viel gepriesenen "Zivilisation" und formalen "Rechtsstaatlichkeit" bei weitem nicht die idealen Menschen. Ein Beispiel aus der Lehre: Ein beliebtes Vorurteil im Westen gegenüber dem Islam ist die Polygamie - dass ein Mann mit mehreren Frauen verheiratet sein darf - und das womöglich nur zu seiner Freude. Dabei sieht man die Frauen in einer Opferrolle. Doch von der Idee her - und das wissen leider die wenigsten, zugegeben auch heute noch mancherorts im Orient - war es genau umgekehrt angedacht: Die Möglichkeit der Polygamie sollte z.B. verwitweten Frauen Schutz bieten. Quasi eine Art Sozialversicherung. Der Gedanke war also zumindest für die damalige Zeit sehr fortschrittlich. Aber wer fragt jemals danach?Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Studiums lautet: Im Islam gibt es Für und Wider wie in allen Religionen, und vor allem gibt es nicht "DEN" Islam, wie er gerne von westlichen Gesellschaften bezeichnet wird. Es gibt unzählige verschiedene Richtungen mit verschiedenen Glaubensauffassungen, die sich teils fremd oder gar verfeindet sind. Dies zu akzeptieren, ist wichtig für einen vorurteilsfreien Umgang mit Muslimen - ganz gleich ob hier oder im Ausland.

FAZIT
Orientalistik, ganz gleich ob als reine Orientalistik oder auch mit islamwissenschaftlichem (religiösem) oder arabistischem (sprachlichem) Schwerpunkt, ist ein facettenreiches und wertvolles Fach, dessen Bedeutung gerade in den letzten Jahren zugenommen hat. Mit dem 11. September setzte ein großer Zulauf ein (welcher durch die Abschaffung des Faches in Frankfurt abrupt abgebrochen wurde): Mehr Menschen möchten mehr über den Islam erfahren. Mehr Menschen möchten Arabisch lernen, da Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten auch weiterhin beliebte Reiseziele bleiben und die Golfstaaten durch ihren rasanten wirtschaftlichen Aufstieg eine neue Façon orientalischer Faszination ausstrahlen. Nicht zuletzt stellen die genannten geistigen Erbe (also etwa Mathematik, Medizin, Philosophie) eine bedeutende Basis für verschiedene Wissenschaften dar.

UNSERE BIBLIOTHEK
Um Argumente gegen den Umzug hier auszuklammern, denn Argumente sind in den Beiträgen reichlich genannt: Unsere Bibliothek ist meist ein Ort der Ruhe, im Gegensatz zu den größeren Lesesälen der Universität. Deshalb lernt man hier zeitweise auch für andere Fächer. Zugegeben ist sie wegen dem Alter des Gebäudes und dessen allgemeinem Zustand nicht der idyllischste Ort auf dem Campus, jedoch ein wenig gemütlich und umgeben von einer Atmosphäre, die man nach dem möglichen Umzug sicher vermissen würde.

DIE POLITIK DER ZENTRENBILDUNG
Unsere Bemühungen drehen sich derzeit lediglich um die Bibliothek der Orientalistik, um den uns zugesicherten Abschluss des Studiums bis 2009/10 erreichen zu können. Dazu gibt es auf unserem Blog reichlich Informationen in Form von Pressemitteilungen und -berichten. Dennoch ist es wichtig, an dieser Stelle noch einmal einige Worte allgemein zur Zentren-Bildung zu erwähnen:Über den Sinn von wenigen (Orient-)Zentren, welche die Kräfte einer Region bündeln sollen, wurde bereits viel geschrieben. Die unter Lehrenden und Studierenden weit verbreiteten Ansichten sind dabei klar: Universitäten dürfen nicht zu Bildungsmärkten in Massenfächern verkommen, sondern sollen die Lehre in ihrer Breite beibehalten. Denn sind es nicht gerade die "exotischen" Fächer, die einer Universität das Besondere verleihen? Die eine Universität, einen "Ort des Wissens" erst zu diesem machen? Leider sehen das die sich vermehrt ins Universitätsleben einmischenden international agierenden Firmen und vor allem die Universitätsleitungen mit anderen Augen. Sind nicht gerade die Nebenkompetenzen, die man in diesen Fächern gewinnen kann, heute so sehr gefragt? Unternehmen reicht es schon lange nicht mehr, wenn Bewerber mit Englisch als einziger Fremdsprache daher kommen oder Studenten einfach ein BWL- oder Politikwissenschaftsstudium mit einer guten Note abschließen, ohne daneben weiter reichende Qualifikationen erworben zu haben. Deshalb ist es mehr denn je erstrebenswert, sich im Studium einen - oder auch mehrere - regionale und sprachliche Schwerpunkte setzen zu können. Ob das Indien, China oder eben ein orientalischer ist, steht dann im eigenen Interesse. Denn jegliche kulturelle Kompetenz ist eine wertvolle, Basis für konstruktive Dialoge und Gedanken, die über einen gewissen Horizont hinausgehen. Durch Zentrenbildungen wird man in seiner persönlichen Studienwahl weiter eingeschränkt, als es sowieso schon wegen Wohnmöglichkeiten, Studienordnungen und aus anderen studientechnischen Gründen der Fall ist. Viele Studierende müssen einen Kompromiss eingehen - gehe ich an das Zentrum meines Wunschfaches und gebe mich mit anderen Haupt-/Nebenfächern zufrieden - oder lasse ich aufgrund möglicherweise besserer Berufschancen in einem anderen Fach, zwecks Wohnungsnähe meinen Traum vom Studium des Faches verfliegen? Jungen Menschen diese Entscheidungen zu erschweren ist ein unbedachtes Vergehen gegen talentierten Nachwuchs einer Generation, die es in all diesen Punkten zu fördern gilt. Deutschland war immer eine Nation von herausragender Hochschulbildung. Nicht umsonst können wir uns auch in diesem Jahr wieder über Nobelpreisträger freuen, nicht umsonst kommen so viele Studenten aus anderen Ländern zu uns. Wir haben eine hoch qualifizierte Lehre, eine breite Lehre – und besonders: eine freie und kritische Lehre. Das alles sollte man nicht aufgeben in der Gier nach einem Platz unter den Top-Universitäten der Welt. Studenten sind keine Kunden, sondern die Gesellschaft von morgen! Schließlich sollte es in Frankfurt, der Stadt, die sich so gerne als Vorbild von Multikulturalität und Integration bezeichnet, eine Selbstverständlichkeit sein, Kulturwissenschaften in einer großen Varietät studieren zu können.Die Orientalistik ist – wie alle gelehrten Fächer – ein wertvolles Studium, welches in jedem Fall erhaltens- und fördernswert sein sollte.
JAN K.

Stellungnahme von Prof. Daiber gegenüber dem Präsidium der Goethe-Uni


Sehr geehrter Herr Präsident, die Pläne der Johann Wolfgang Goethe-Universität, sich in eine Stiftungsuniversität umzuwandeln und die angestrebte Neuprofilierung der Universität im Rahmen von geisteswissenschaftlichen Zentrenbildungen haben mich zu vorliegendem Brief veranlasst.
Es stellt sich zunehmend heraus, dass die schwerpunktmäßige Verlagerung der Orientalistik nach Marburg das wissenschaftliche Profil der in Frankfurt vorhandenen Fächer erheblich zu beeinträchtigen droht; orientalistische Lehrveranstaltungen, beschränkt auf Sprache und Literatur, sollen weder für die neu eingerichtete Studienrichtung Empirische Sprachwissenschaft noch für die neu eingerichtete Studienrichtung Islamische Religionswissenschaft in der Theologischen Fakultät angeboten werden.
Diese Verbannung Orientalischer Philologie, mit den Schwerpunkten Sprache und Literatur des Arabischen, Persischen und Syrisch-Aramäischen, aus dem Angebot der Frankfurter Universität ist kontraproduktiv und im globalen Zeitalter schlichtweg nicht akzeptabel. Sie vernichtet die Voraussetzung für grenzüberschreitende Tätigkeiten der vorhandenen Fächer, auch der Fächer außerhalb der früheren Philosophischen Fakultät. Schwerpunkte der Frankfurter Universität, die ihr besonderes Ansehen etwa auf dem Gebiet der Geschichte, insbesondere der Wissenschaftsgeschichte verschafft haben, aber auch ein neu eingerichtetes Zentrum wie die Ostasienwissenschaften sollten gegebenenfalls auf ein Minimum orientalistischen Lehrangebots, nämlich zu Sprache und Literatur, zurückgreifen können. Arabische Sprache und Literatur wird auch von den Muslimen in Indien, Südostasien und China gepflegt und hat dort Kulturen und deren Sprachen geprägt.
Besonders gravierend droht der Wegfall Orientalischer Philologie für die Judaistik der Frankfurter Universität zu werden. Das Fach Judaistik, das im Rahmen der Zentrenbildung zum Schwerpunkt der Frankfurter Universität gemacht worden ist, kann nicht auf arabische Sprache und Literatur verzichten, sofern es sich auf die Begegnung des Judentums mit dem Islam vor allem im Mittelalter konzentriert. Der Beitrag arabisch-islamischer Literatur und Kultur zur Formung von Theologie, Philosophie und Wissenschaften im jüdischen Mittelalter ist ein Gebiet, das von eminenter Bedeutung auch für die aktuelle Auseinandersetzung zwischen Judentum und Islam ist. Wer sich mit dem jüdischen Gelehrten Maimonides aus dem 12./13. Jh. beschäftigt, wird dies nicht ohne Kenntnis arabischer Literatur, etwa zur Theologie, Philosophie und Medizin, tun können.
Die Bedeutung der Orientalischen Philologie für die Judaistik ist bereits von den Gründern der Frankfurter Universität erkannt worden. Der aus Frankfurt stammende und 1865 nach Amerika emigrierte jüdische Bankier Jakob Heinrich Schiff (1847-1920), der zu den Gründern der Frankfurter Universität gehört und dessen Name heute noch eine Straße in Eschersheim trägt, stiftete am 15. Juli 1913 einen „ordentlichen Lehrstuhl für Semitische Philologie mit Berücksichtigung der targumischen und talmudischen Literatur an der in Frankfurt am Main zu begründenden Universität, und, falls nach dessen Dotierung noch aus den Jahreszinsen ein Betrag verfügbar ist, etwaiger dem Lehrstuhl angegliederter Institute oder Einrichtungen“. Im Vorfeld war in der von dem Rabbiner M. Rahmer gegründeten Zeitschrift Jüdisches Litteratur-Blatt Jg. 33, 1911, S. 49-54) von H. Bahr bereits die Notwendigkeit eines Lehrstuhls für talmudische Forschung an der geplanten Frankfurter Universität diskutiert worden, allerdings als Hilfe für die Auslegung des in jüdischer Umgebung entstandenen Neuen Testaments. Diese Diskussion wird später, in er Stellungnahme dahingehend präzisiert, daß die zu gewinnende Person für den Lehrstuhl jemand sein müsse, „der mit dem innersten Geiste dieser (sc. talmudischen) Überlieferungen womöglich durch eine rabbinische Erziehung vertraut und doch in strengem Sinne Semitist ist, so dass er, woran es in jenen dilettantischen Bemühungen zumeist fehlt, neben dem Hebräischen auch die übrigen semitischen Sprachen, vor allem das Arabische und Syrische wirklich beherrscht“.
Dieser von Schiff gegründete Lehrstuhl ist der Beginn der Orientalistik in Frankfurt, die in der Person von Josef Horovitz (geb.1874) bereits einen namhaften Vertreter hatte. Horovitz baute das Frankfurter Orientalische Seminar auf, dessen Direktor er von 1915 bis zu seinem vorzeitigen Tod 1931 er gewesen ist. Horovitz ist bekannt geworden vor allem durch seine arabischen Editionen einer Prophetenbiographie und durch seine Untersuchungen zum Koran und dessen jüdischen Hintergrund. Er arbeitete an einer Konkordanz zur altarabischen Poesie, ein Projekt, das lange nach seinem Tode, auch mit Beteiligung des Frankfurter Orientalischen Seminars abgeschlossen wurde und 1999 im Druck erschien.
Bei Horovitz habilitierte sich 1931 der Orientalist Martin Plessner (1900-1973) für Semitische Philologie und Islamkunde; er hielt im selben Jahr seine Antrittsvorlesung zur Erlangung der venia legendi über „Die Geschichte der Wissenschaften im Islam als Aufgabe der modernen Islamwissenschaft“, damit eine Idee vorwegnehmend, die heute in dem Frankfurter, von Fuat Sezgin 1982 gegründeten und durch eine Stiftung arabischer Länder finanzierten Institut für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften verwirklicht worden ist. Die Geschichte der Wissenschaften, unter Einbeziehung des Arabischen, das er neben dem Chinesischen beherrschte, war das Spezialgebiet des 1905 geborenen und 1981 verstorbenen Willy Hartner, der nach dem 2. Weltkrieg 1946 zum Ordinarius für Geschichte der Naturwissenschaften ernannt wurde. Sein Nachfolger wurde 1985 David King (geb. 1941), dessen Schwerpunkt die islamische Astronomie und islamische astronomische Instrumente ist. Mit dessen Ausscheiden wurde seine Stelle aufgehoben.
Parallel zu dieser wissenschaftshistorischen Tradition finden wir im Frankfurter orientalistischen Wissenschaftsbetrieb in der Person von Gotthold Weil (1992-1960) einen Vetreter der sprachhistorischen und literaturgeschichtlichen Forschung. Weil ist der Nachfolger von J. Horovitz und hatte von 1931 bis 1935, bis zu seiner Emigration nach Palästina, dessen Stelle inne. Nach Weil wurde die Stiftungsprofessur für „Semitische Philologie“ unter der Naziherrschaft und infolge der Kriegswirren nicht mehr besetzt; wir erfahren lediglich von einem Lehrauftrag für Arabisch und Islamkunde, den J. Fück im Jahr 1936 wahrgenommen hat. Im Jahre 1939 wurde das Stiftungsvermögen der Allgemeinen Hochschulstiftung, der Dr. Adolf Varrentrapp-Stiftung zugeführt.
Doch 1950 kam in der Person von Hellmut Ritter (1892-1971) ein international renommierter Orientalist und Kenner der arabisch-persisch-türkischen Philologie, der sich besonders um die Erschließung arabischer und persischer Literatur durch Handschriftenkataloge, Editionen und Übersetzungen verdient gemacht hat. Er brachte seine noch heute einzigartige Sammlung von etwa 5000 Bänden hauptsächlich arabischer und persischer, aber auch türkischer Werke aus Istanbul mit, wo er seit 1926 als Leiter der Zweigstelle der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft gewirkt
hatte. Eine Zerschlagung dieser Bibliothek und ein Teiltransfer nach Marburg ist daher nicht annehmbar.
Nach Ritters Emeritierung im Jahre 1956 folgte ihm auf dem Lehrstuhl Rudolf Sellheim (geb. 1928), dessen Hauptwerk die Katalogisierung und Auswertung arabischer Handschriften für die Literaturgeschichte ist. Ihm folgte 1995 Unterzeichneter (geb. 1942), der sich gleichfalls mit der Katalogisierung arabischer Handschriften beschäftigte, sich in seinen Arbeiten auf die Rolle des Islam zwischen Antike und Mittelalter konzentrierte und einem Urteil von Martin Plessner zufolge in seiner Dissertation (1967; gedruckt 1980) die griechisch-arabische Übersetzungsliteratur als Quelle für die griechische Sprachgeschichte entdeckt hat; er gibt die Reihe „Aristoteles Semitico-Latinus“ über das Fortleben des aristotelischen corpus in arabischer, syrischer, hebräischer und arabisch-lateinischer Überlieferung (seit 1975, 19 Bände) sowie die Reihe „Islamic Philosophy, Theology and Science. Texts and Studies“ (seit 1982, 73 Bände) heraus.
Der vorausgehenden Übersicht kann der Leser unschwer Richtungen der Frankfurter Orientalistik entnehmen, die dem Komplex Judentum-Islam (Horovitz, Weil, Daiber) zuzuordnen sind oder der arabischen Sprachgeschichte (Weil, Daiber) oder der Literaturgeschichte (Horovitz, Ritter, Sellheim, Sezgin, Daiber) oder der arabisch-islamischen Wissenschaftsgeschichte (Plessner, Hartner, King, Sezgin, Daiber) und der islamischen Philosophie und Theologie (Daiber).
Die genannten Richtungen setzen die Erschließung und das Studium arabischer Dokumente voraus, das heißt einen Aspekt der Orientalistik, der in dieser Komplexität nicht von einer Universität bewältigt werden kann, die sich auf islamische Geschichte, Religion oder die heutige islamische Welt konzentriert.
Vor allem aber ist das Studium der Islamischen Religionswissenschaft in der Theologischen Fakultät der Frankfurter Universität nicht ohne eine solide Kenntnis arabischer Sprache und Literatur möglich.
Ferner ist es völlig anachronistisch, in der Frankfurter Universität ein Fach Empirische Sprachwissenschaft anzubieten, das orientalische Sprachen ausschließt.
Der wichtigste Grund ist aber die aus der oben skizzierten Geschichte der Disziplin erwiesene Tatsache, dass die Judaistik in ihrem schwerpunktmäßigen Ausbau nicht auf arabische Sprache und Literatur verzichten kann, auch und vor allem dann, wenn es um Aspekte des Sprach- und Kulturaustausches zwischen Judentum und Islam geht.
Die genannten Aspekte rechtfertigen das wissenschaftsgeschichtlich erwiesene und wissenschaftstheoretisch notwendige Wiederaufleben einer alten Frankfurter jüdischen Stiftung, des von Jakob Heinrich Schiff 1913 gestifteten Lehrstuhls für semitische Philologie, wobei entsprechend dem Profil der Frankfurter Orientalistik dieser Lehrstuhl sich auf Orientalische Philologie konzentrieren muß, mit besonderer Berücksichtigung arabischer Sprache und Literatur.
Eine Einbettung dieses Lehrstuhls in die Studienrichtung der empirischen Sprachwissenschaft und dessen Funktion für die vergleichende Sprachbetrachtung, für die Judaistik, für die Islamische Religionswissenschaft und für historische Fächer, etwa Wissenschaftsgeschichte, widersprechen nicht dem Ziel einer Zentrenbildung. Denn die in Frankfurt angestrebte philologische Akzentuierung der Orientalistik dient den Schwerpunkten der Frankfurter Universität.
Die optimale Gestaltung dieser Schwerpunkte der Frankfurter Universität, insbesondere der Judaistik, darf nicht den Interessen der Marburger Universität geopfert werden. Das ist die Frankfurter Universität ihrem Ruf schuldig, aber auch ihrer Tradition als einstige und zukünftige Stifteruniversität und vor allem aber ihrem Namenspatron, Johann Wolfgang von Goethe, der in seinem West-östlichen Diwan sagte: „Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen“.
Ich bitte Sie daher im Interesse der Frankfurter Universität, ihres Profils und ihres Ansehens dringend, meinen Vorschlag ernst zu nehmen, die orientalistische Professur mit dem Profil Orientalische Philologie, mit besonderer Berücksichtigung arabischer Sprache und Literatur wiederzubesetzen.
Prof. Dr. Hans Daiber, Orientalisches Seminar Frankfurt

Dienstag, 6. November 2007

Kommentar von Anna Willich (Orientalistik-Studentin)


"Schon 2009/2010 würden die neuen Zentren evaluiert, daher müsse gehandelt werden." Dies ist der wahrscheinlich entscheidenste Satz. Darauf wurden wir Studenten auch in der Senatssitzung hingewiesen. Wichtig für die Entscheidung der Verlegung ist nicht, ob Studenten angemessen studieren können (Bücher wären da wohl eine Grundvoraussetzung), sondern der Ruf eines neu gegründeten Zentrums. Aber nicht nur das neue Orient-Zentrum in Marburg wird 2009/2010 einer Bewertung unterzogen, sondern auch wir, die Studenten der Orientalistik Frankfurt. Und es wäre mir äußerst unangenehm, wenn ich in dieser Bewertung, also meiner Magisterprüfung zugeben müsste: "Ein paar Bücher habe ich gelesen. Halt die, die da waren. In Marburg war ich leider nicht so oft, um die für meine Begriffe wichtige Literatur zu besorgen, weil ich arbeiten musste, um 750 Euro Studiengebühren zahlen zu können (Wieviele Bücher hätte ich davon wohl kaufen können???). Noch ein Semester dran hängen geht auch nicht, da das Institut geschlossen wird...." Das wäre unangenehm. Nicht nur für mich, sondern auch für eine Universität, die Studenten zu so einer Halbbildung zwingt und damit in die Arbeitswelt entlässt!!!!!
Anna Willich
LEST BITTE AUSSERDEM DEN KOMMENTAR ZUM LESERBRIEF
VON DR. AGNES KORN!

Dienstag, 30. Oktober 2007

AStA-Stellungnahme


Verbesserung der Studienbedingungen? – Orientalistik fortan ohne Literatur
Erst jüngst wurde dem AStA der Johann Wolfgang Goethe-Universität bekannt, dass Anfang der vergangenen Woche das Präsidium der Universität die Verlagerung der Hauptbestände der
Orientbibliothek bereits diesen November anstrebt. Der AStA hält dies für nicht hinnehmbar.
Bis zum Jahr 2010 war den derzeitigen Studierenden der Orientalistik verbindlich zugesichert worden, ihr Studium problemlos zu Ende führen zu können. Daher wurden erst im vergangenen Jahr, auf den Protest der Studierenden hin, dem Seminar weitere Mitarbeiter zugestanden. „Doch auch diese können weder Lehre, noch Forschung aufrecht erhalten, wird ihnen die Grundlage ihrer Arbeit, die Bücher, entzogen.“, beklagt AStA-Vorsitzende Anja Engelhorn die Vorgehensweise der Verantwortlichen.
Der stellvertretende Universitätspräsident Ebsen betonte hingegen vor dem Senat, „bloß unwichtige Bestände“ würden verlagert. „Diese Aussage ist in keiner Weise nachvollziehbar: Es handelt sich um etwa Zweidrittel der gesamten Bestände der Orientalistik und beispielsweise die gesamten Arabischen Texte.“, korrigiert AStA-Referent für Hochschulpolitik David Malcharczyk. „Wieder bagatellisiert das Präsidium ihr unverantwortliches Fehlverhalten. Uns erwartet die Absurdität einer Orientalistik ohne orientalische Literatur.“
„Mit der Amputation einzelner Bibliotheken wird der gesamten Universität Schaden zugefügt.“, gibt Engelhorn zu bedenken. „Die Orientalistik ist relevant für die gesamten sprach-, kultur-, geschichts- und religionswissenschaftlichen Disziplinen.“ Daher reden Dekane all dieser Fachbereiche gegen den Umzug. Die im orientalistischen Seminar Beschäftigten sprechen mittlerweile von einem Berufsverbot. Berechtigter Weise; weder Lehre noch Forschung wird nach AStA-Einschätzung weiterhin möglich, sollte der Umzug vollzogen werden.
Das Verständnis des Vizepräsidenten Ebsen für die Studierenden zeigen seine Statements im Senat. Nach seiner Ansicht bedarf ein Hauptstudium weniger Bücher als die Grundlagenschaffung. Wer solche Aussagen tätigt, sollte fortan nicht mehr von guter, geschweige denn exzellenter wissenschaftlicher Arbeit reden dürfen.
Ohnehin empfindet der AStA die geisteswissenschaftliche Zentrenbildung in deren Rahmen die Frankfurter Bestände nach Marburg transferiert werden sollen, als äußerst problematisch. Interdisziplinäre Zusammenarbeit an der Hochschule wird somit über die Maße erschwert. Einen Beweis dafür, dass der Fortbestand der Orchideenfächer kein besonderes Anliegen bei diesen Bestrebungen sein kann, ist mit den derzeitigen Vorgängen offenbar geworden. Es handelt sich um ein nicht durchdachtes Konzept, welches die Orchideen der Hochschullandschaft verwelken lässt und nur Probleme mit sich bringt.
Am 08. November soll eine Senatskommission zusammenkommen, um die Problematik zu diskutieren. Der letzte Professor der Orientalistik Daiber hat dem Präsidium bereits nahegelegt den permanenten Verbleib der Bücherbestände vor Ort anzudenken. Diese Konsequenz ist die ausdrückliche Forderung des AStA. Die gewachsenen Strukturen der gesamten Universitätsbibliothek Frankfurt müssen bestehen bleiben. Interdisziplinarität bringt die Forschung weiter als jede vermeintliche Exzellenz.
Der AStA-Vorstand Anja Engelhorn und Anja Muhr

Freitag, 26. Oktober 2007

Stellungnahme der Studierenden vor dem Senat


Der Protest der Studierenden der Orientalistik richtet sich nicht gegen die umstrittene Zentrenbildung geisteswissenschaftlicher Disziplinen, sondern allein gegen den Transfer der Orientbibliothek nach Marburg im Zuge dieser Zentrenbildung.
I. Für ein Verbleiben der Orientbibliothek in Frankfurt bis mindestens 2010 spricht:
die Zusage von Seiten der Universität und deren Verantwortlichen, dass Studenten bis 2010 ihr Studium in FFM mit dem Magister im Fach Orientalistik abschließen dürfen.
Im vergangenen Sommersemester wurden – erst nach studentischem Protest – zwei Mitarbeiterstellen angehoben, um das Unterrichtsangebot aufrechterhalten zu können. In keinem folgerichtigen Zusammenhang steht daher der geplante Abzug der Bibliothek: Wie ein Studium in Regelstudienzeit absolvieren ohne Bücher; wie überhaupt studieren ohne Bücher???
Weiterhin sollten die allgemeinen Studiengebühren, die auch von uns Orientalistikstudenten gezahlt wurden, unsere Studienbedingungen verbessern und nicht verschlechtern:
· UniReport (online-Ausgabe), August 2007, S.1, 3 u.4
· Udo Corts: www.muk.uni-frankfurt.de/Studienbeitraege/doc/01-Studienbeitraege-corts.pdf, S. 2 unten
· Steinberg: www.muk.uni-frankfurt.de/Studienbeitraege/index.html
· Uni-Satzung: www.muk.uni-frankfurt.de/Studienbeitraege/doc/HMWKgenehm_Satzung.pdf, S. 8, § 10.
II. Für einen Verbleib der Orientbibliothek in Frankfurt überhaupt spricht:
· Eine Bibliothek ist ein Organismus, dem man nicht einzelne Teile abtrennen kann, ohne immense Einschränkungen in der Funktionalität zu provozieren. Die Bestände verweisen aufeinander und so würden manche Titel unbrauchbar oder unauffindbar werden.
· Die Orientalistik hat an der Universität eine lange Tradition, denn schon 1913 wurde ein Lehrstuhl für semitische Philologie von einem jüdischen Bankier, Jakob Heinrich Schiff, gestiftet, welcher die judaistische Forschung und Lehre ergänzen und erweitern sollte. In Zeiten des Wandels der Goethe-Uni zu einer Stiftungsuniversität könnte man sich seiner Wurzeln besinnen!
· Weiterhin ist die Bibliothek mit anderen Instituten vernetzt. So gab es Absprachen – unter anderem mit der Sprachwissenschaft von Herrn Prof. Gippert –, dass Titel nicht doppelt angeschafft wurden um Mittel zu sparen (Undank ist der Welten Lohn!). Das heißt Sprachwissenschaftler kamen zu uns in die Bibliothek und wir gingen in die Georg-Voigt-Str.
· Die Orientbibliothek war ein gewichtiger Grund, warum die zwei Stiftungsprofessuren für Islamische Religion nach Frankfurt kamen und wird vielleicht das Zünglein an der Waage für das Exzellenz-Cluster im Bereich Wissenschaftsgeschichte mit dem Schwerpunkt „Vorderer Orient“ sein.
· Überhaupt ist der Bestand der Orientbibliothek relevant für alle Sprach-, Kultur-, Geschichts- und Religionswissenschaftlichen Disziplinen. Folgerichtig haben sich in der Senatssitzung vom 24.10.2007 unter anderem die Dekane der Fachbereiche 06/07 (Theologie), 08 (Philosophie/Geschichtswissenschaften), 09 (Sprach- und Kulturwissenschaften) für den Verbleib der Orientbibliothek eingesetzt.
III. Zur Senatssitzung vom 24.10.2007:
Vollkommen an der Sache vorbei sind die Aussagen von Herrn Vizepräsident Ebsen:
1. Der Transfer betreffe bloß „unwichtige Bestände“!
·
Die im Schreiben von Herrn Ebsen (15.10.07) geforderten Bücher für den Abzug im November 2007 betreffen die Signaturen K, S, R, La-Ls: 2/3 der Bibliothek!!!
· Die Signatur R ist das Rückgrat unserer Bibliothek: R steht in der Bibliothekssystematik für „Arabische Texte“ – absurd, oder? Eine Orientalistik ohne orientalische Literatur!
· Zu den Unterpunkten der R-Signatur gehören unter anderem Koran, Recht, Hadith-Literatur (Aussprüche des Propheten), Dogmatik, Philosophie, Poesie, Geschichte, Geographie, Mathematik etc.
· Die Signaturen Ra1-Rz9 umfassen allein ca. 15 000 von ca. 40 000 Bänden.
· Für Herrn Prof. Daiber und seine Mitarbeiter käme ein Abzug der Bibliothek einem Berufsverbot gleich! – einem Studierverbot für uns Studenten!
2. Einschränkungen in Forschung und Lehre im Bereich der Iranistik (Signatur S) seien zu verkraften!
·
Konkrete Zahlen kennt Herr Ebsen allem Anschein nach nicht: In der Orientalistik finden die Persischsprachkurse I-III statt, wobei der dritte Kurs ein Lektürekurs ist.
· Weiterhin ist Herrn Ebsen nicht klar, wie weit reichend iranistische Quellen für die islamische Verkündigung sind, da sich die islamische Eschatologie (sowie die jüdisch-christliche!) aus iranischen Quellen speist. Und es lässt sich nicht konstatieren, dass islamische Eschatologie eine Randerscheinung des muslimischen Kerygmas (respektive Verkündigung!) sei!
· Außerdem sind die ältesten grammatischen und philologischen Zeugnisse des Arabischen von persischen Gelehrten verfasst worden und der persische Sprach- und Kulturraum für die orientalistische Forschung von großem Belang.
· Überhaupt ist es für die Mitarbeiter von Herrn Prof. Gippert unabdingbar für ihre Forschung auf unsere iranistische Bestände zurückgreifen zu können!
3. Weiter bräuchten Studenten im Hauptstudium weniger Bücher, weshalb es zumutbar sei, dass sich Studenten einzelne Bücher aus Marburg besorgten.
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Ohne Kommentar!
4. Marburg würde dem Orientalischen Seminar umfangreiche Semesterapparate zur Verfügung stellen!
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Unsere Bücher sind noch nicht digital erfasst. Wenn weite Bestände jetzt abgezogen würden, sehe ich keine Möglichkeit, dass im Jahre 2008 weder Semesterapparate mit Literatur bestückt noch Studenten mit Literatur versorgt werden können: über 20 000 Karteikarten zu digitalisieren ist eine Aufgabe die eine außerordentliche Arbeitskraft voraussetzt und dennoch Monate und Jahre dauern kann.
5. Marburg würde, wie alle anderen Zentren in Hessen, 2009/2010 evaluiert werden!
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Wie im vorangehenden Punkt betrifft diese Aussage die Organisation eines Bibliotheksumzuges. Denn selbst wenn Marburg die Bücher bekäme, wären diese meines Erachtens noch nicht für die Studenten in Gänze 2009/2010 verfügbar. Das Orientzentrum könnte sich rühmen eine hervorragende Bibliothek zerstört zu haben mit dem Ausblick in den kommenden Jahren ihren Studenten eine große Zahl Bücher zur Verfügen stellen zu können – aber nicht bis 2009/2010!

orient invictus


orient invictus – der unbesiegbare Orient
Einen kleinen Sieg haben wir bereits errungen: eine Kommission wird sich erneut mit der geplanten Verlagerung der Orientbibliothek befassen. Geht es nach dem Willen der Dekane der verschiedenen Fachbereiche (06 – evangelische Theologie, 07 – katholische Theologie, 08 – Philosophie und Geschichte, 09 – Sprach- und Kulturwissenschaften etc.) wird nicht nur der Zeitpunkt der Verlagerung neu verhandelt, sondern der Verbleib der Orientbibliothek in Frankfurt überhaupt.
Der Senat signalisierte bereits seine Gesprächsbereitschaft, offensichtlich hatte man zuvor nicht die Komplexität des Themas überblickt – dass das Orientalische Seminar und die diversen Bibliotheken des Fachbereichs 09 sich etwa bei Neuanschaffungen abgesprochen haben. Ein Abzug der Orientbibliothek würde große Lücken reißen, die etwa die iranistische Forschung der Sprachwissenschaftler um Professor Gippert in Mitleidenschaft zieht.